Der Tag, an dem Oliver Maalik das erste Mal sah, war ein ungewöhnlich kalter und regnerischer Tag für die Jahreszeit und die dicke Wolkendecke hatte den Himmel noch nicht einmal durchblicken lassen. Es war der 20. Juni, der Tag vor der Sommersonnenwende. Und außerdem war es der Tag, an dem Oliver und die wenigen Freunde der Familie seine Mutter zu Grabe trugen. Ein Aneurysma. Niemand hatte es kommen sehen. Also stand er dort, am geschlossenen Sarg seiner Mutter, während die kurze Reihe an Beileid bekundenden Menschen an ihm und dem Sarg vorüberschritten, und nahm doch nichts mehr um sich herum wahr. Seine sonst so strahlend grünen Augen waren trüb und Tränen hat er schon lange keine mehr übrig. Er hatte seine Mutter geliebt. Nachdem sein Vater sie kurz nach seiner Geburt verlassen hatte, hatte seine Mutter ihn, abgelehnt von Eltern und Familie, alleine groß gezogen. Und ihr Tod hatte einen dumpfen Schmerz in ihm hinterlassen der die Luft aus seiner Lunge presste und seinen Magen verknotete. Nachdem der Sarg in die Erde gelassen wurde gingen alle zu der kleinen, bescheidenen Trauerfeier, welche die meisten aber nach der dem Anstand gebührenden Zeit auch schnell wieder verließen. Als das Licht, welches durch die Wolken drang immer mehr schwand, waren die letzten noch anwesenden Personen Rikard, Olivers Onkel zweiten Grades, Tamara, eine gutmütige Nachbarin mittleren Alters, und Oliver selbst. Nachdem er sich mit dem einen oder anderen Glas Wodka wieder etwas Tränenflüssigkeit zurückgewonnen hatte und der Alkohol ihm wieder etwas Wärme in seinen, sich ansonsten so kalt anfühlenden Körper gebracht hatte, bedankte er sich bei den beiden mit ein paar kurzen Worten und verließ dann das Gebäude. Es hatte wieder begonnen zu regnen. Seine mehr oder weniger gezielten Schritte trugen ihn zurück zum Friedhof. Dort hatten die Arbeiter gerade die letzte Erde auf der Grabstelle aufgeschichtet und das kleine Holzkreuz am Kopfende in den Boden gesteckt. Als Oliver die letzte Ruhestätte erreichte, waren die Arbeiter schon auf dem Rückweg. Also stand er dort in einem schwarzen, etwas zu engen Anzug vor der aufgewühlten Erde, die seine Mutter verschlungen hatte während sich neue Tränen auf seinem Gesicht mit Regentropfen vermischten und in kleinen Bächen seinen Hals hinab rannen.
Inzwischen war es dunkel geworden. Der Mond und die Sterne waren durch den verhangenen Himmel nicht zu sehen, und so spendeten nur die vereinzelt stehenden Laternen ein trübes, kaltes Licht. Oliver saß noch immer im Gras auf dem Friedhof. Seine Kleidung war inzwischen komplett durchnässt. Doch das kümmerte ihn nicht. Er wusste einfach nicht wie sein Leben von nun an aussehen sollte. Was immer er auch für einen Gedanken fasste, es fühlte sich falsch an. Und so blieb er einfach wo er war und trauerte weiter. Als er so etwas wie ein Fauchen hörte, sah er langsam auf. Er war sich relativ sicher, dass es keine wilden Tiere in dieser Umgebung gab, die ihm hätten gefährlich werden können. Als er gerade seine Augen auf den Ursprung des Geräusches lenkte, meinte er gerade noch eine kleine, etwas zu rötliche Flamme zu erkennen die ohne bestimmte Quelle einfach in der Luft züngelte, bevor sie mit einem Knall in einen Ball aus rotem Feuer expandierte, welcher kurz darauf wieder in sich zusammenfiel. Oliver versuchte die Sterne weg zu blinzeln, welche das plötzliche Auftreten und Verschwinden dieser starken Lichtquelle in seinem Sichtfeld verursacht hatte. Nachdem sich seine Augen wieder an das schwummrige Licht der kargen Friedhofsbeleuchtung gewöhnt hatten, sah er die Person, die gerade mit einer Explosion aus scharlachrotem Feuer aus dem nichts auf einem Friedhof erschienen war. Er fragte sich kurz, ob die letzten zwei Gläser vielleicht doch etwas zu viel gewesen waren. Doch ihm dämmerte, dass es in dieser völlig absurden Situation wahrscheinlich überhaupt keine Rolle mehr spielte. Vor ihm stand ein junger, dunkelhäutiger Mann, der ihn um etwa einen Kopf überragte. Seine stark ausgeprägten Wangenknochen standen in starkem Kontrast zu seinen ansonsten eher feinen Gesichtszügen und seine tiefroten Augen leuchteten als würde das Feuer, dem er kurz zuvor entstiegen war, nun dahinter lodern. Oliver konnte nur mit offenem Mund wie versteinert dastehen und dem Fremden dabei zusehen, wie dieser festen Schrittes auf das Grab zuging, vor dem er immer noch saß. Im Gehen griff der Fremde in die Innentasche seines langen, schwarzen Ledermantels und holte einen kleinen Kolben aus Glas heraus. Das Glas hatte winzige goldene Intarsien so das es so aussah, als wäre das Glas von Adern mit flüssigem Gold durchzogen. Als er neben dem frischen Erdhaufen stand, streckte er den rechten Arm über das Grab, sodass die Innenseite seiner flachen Hand nach unten zeigte. Dann passierte erstmal nichts. Bis plötzlich eine kleine eisblaue Flamme aus der Erde empor stieg und sachte in der Hand des Fremden landete. Dieser sah in seine Hand und das nächste, was Oliver wahrnahm, war eine Stimme welche klang wie ein knackender Holzscheit der im Feuer langsam zu Asche vergeht umhüllt von der ruhigen, trägen Wärme von Honig. “Ich danke dir, Lydia. Und wie es vereinbart war ist die letzte Seele die du uns gibst, deine eigene.” Mit diesen Worten legte er die rechte Hand auf das Glas und als er sie wieder herunter nahm loderte die Flamme in dem Kolben. Als er diesen wieder in die Tasche steckte kam endlich Leben in Oliver. Er sprang auf und mit einem halb geschrienen: “Du kannst sie nicht mitnehmen!” stürzte er sich auf den Seelendieb. Was hatter er auch schon groß zu verlieren. Er ballte die linke Hand zur Faust und schickte diese mit Schwung vor, auf dass sie diesen Typen als erstes erreichen möge. Doch der Fremde hob nur seine Hand und stoppte Olivers Faust noch bevor sie ihn auch nur minimal berühren konnte. Dabei leuchteten seine feurigen Augen auf. Oliver hatte das Gefühl als würde er gegen eine solide Wand schlagen und schrie auf während er zurück ins nasse Gras geschleudert wurde. Der Fremde drehte sich nun komplett zu ihm um und streckte seine Hand aus. Aus Reflex riss Oliver die Arme hoch und hielt sie sich sich schützend vors Gesicht. Als die Fingerspitzen der schwarz gekleideten Gestalt nur noch einige Millimeter von ihm entfernt waren, sprang ein kleiner Funke von ihnen über. Doch erreichte er Olivers Arm nicht. Den eine Nanosekunde davor spannten sich alle Muskeln in seinem Körper an und eine Welle aus Energie entsprang ihm und breitete sich aus, während es alles durchdrang ohne einen direkt sichtbaren Effekt zu erzeugen. Dann verschwamm die Welt vor seinen Augen und die Erschöpfung, die Trauer und der Alkohol gewannen die Oberhand und legten eine schwarze, traumlose Ohnmacht über seinen gebeutelten Verstand.
Oliver wurde von grollendem Donner geweckt. Er fuhr erschrocken hoch. Es war dunkel und er bemerkte das fehlen der nassen, kalten Kleidung auf seiner Haut. Stattdessen hatte er unter eine flauschigen Decke auf einem bequemen Polster gelegen. Ein Blitz durchzuckte die Nacht und brachte für einen Augenblick ein weißes, fahles Licht in den Raum. Er erkannte die Konturen seines Wohnzimmers. Er saß auf der Couch. Als er versuchte sich daran zu erinnern, wie er hierher gekommen war, fiel ihm das immer stärker werdende Pochen an seinen Schläfen auf. Er hatte keine Ahnung. Er erinnerte sich an die Beerdigung und diesen Typen und … er erschrak. Was war mit ihm passiert? Wie wart er nach Hause gekommen? Und wie kam es das er auf seinem Sofa lag – ohne Kleidung? Denn wie ihm auffiel trug er nicht einmal mehr eine Unterhose. Ein zweiter Blitz zuckte vom Himmel und erhellte das Zimmer erneut kurzzeitig. Stand da am Fenster jemand? Oder bildete er sich das nur ein? Er stand auf und wickelte sich die Decke um die Hüfte. Als er den ersten Schritt in Richtung Fenster tat bemerkte er eine Bewegung und plötzlich starrte er wieder in diese roten Augen, die schienen als würden sie von innen heraus brennen. Doch im Gegensatz zum ersten Mal als er diese Augen sah strahlten sie nun eine angenehme Wärme und Ruhe auf ihn aus. Sie flackerten kurz auf und waren verschwunden. Sofort stellten sich Olivers Nackenhaare auf als er von hinter sich die Stimmer dieser seltsamen Person vernahm und sein Atem warm und sanft über seinen Hals und Hinterkopf strich: “Sieht so aus, als ginge es dir schon wieder ganz gut.” Erschrocken machte Oliver einen Satz nach vorne und verlor dabei die Decke. Er drehte sich um und sah direkt vor sich rot glühende Augen. Bevor er überhaupt die Situation erfassen und den Blick von diesen unglaublich warmen Augen abwenden konnte, spürte er wie sich zwei Hände an den Schläfen auf seinen Kopf legten. Er wurde panisch, konnte aber immer noch nicht den Blick abwenden. “Ganz ruhig”, hörte er ein Flüstern,”Ich bin Maalik, und ich werde dir nicht wehtun.” Während er sprach wurden die Hände an Olivers Kopf warm und vertrieben das Pochen aus seinem Hirn.
Während Maaliks Hände langsam wieder kälter wurden, wanderten sie über Olivers Ohren hinab bis sie seine etwas stoppeligen Wangen hielten. Das glühen seiner Augen verblasste etwas auch wenn es nicht völlig erlosch. Olivers Drang, in die nur einige Zentimeter entfernten Augen zu schauen verebbte. Doch er wollte nicht wegsehen. Während er seine Hand hob, alles um ihn herum war verschwunden und vergessen, begann seine eigene Iris leicht in den verschiedenstes Grüntönen zu stralen. Als sich Olivers Hand auf Maailks Nacken legte fühlte es sich für ihn so an, als ob sie schon immer letztlich dafür geschaffen war, genau dort zu liegen. Und als er Maaliks Kopf langsam Zentimeter für Zentimeter zu seinem zog, war es, als sei es das einfachste was er je getan hätte. Als sich ihre Lippen berührten, konnte Oliver schon nicht mehr atmen. Er war in einem wunderbaren Traum gefangen und wehe dem, der ihn daraus aufweckte. Ein Tropfen, der auf seiner Stirn landete holte ihn je ins hier und jetzt zurück. Maalik sah auf und stieß Oliver sofort mit solch unerwarteter Kraft zurück, dass dieser gegen die gegenüberliegende Wand geschleudert wurde. Er hörte ein Beben und Knarzen, welches er sich und der unsanften Landung zusprach, als er auf dem Boden aufkam. Er hob den Kopf und vor ihm, dort wo er vor einem Wimpernschlag noch diesen unglaublichen und verflucht unhöflichen Fremden geküsst hatte, stand ein Bündel auf rohem verrottendem Fleisch und dichten schwarzen Nebelschwade. Von der Form erinnerte es ein wenig an einen Affen. Doch es war mit sicherheit zwei Meter groß und an seinen Gliedmaßen hatte es riesige, metallene Klauen. Dort wo das Wesen nicht von Nebel eingehüllt war, tropfte Blut vone seinem Fleisch. Haut schien es nicht zu haben. Das Wesen stand mit dem Rücken zu Oliver, welcher sich aufrappelte und in dem Haufen Schutt, der früher die Kommode dargestellt hatte nach Kleidung wühlte und diese panisch anzog. Wärenddessen starrten sich das Wesen und Maailk nur an. Kurz bevor sich Oliver ein Shirt überziehen konnte hörte er Maailk in seinem Kopf. Es war nicht direkt seine Stimme eher wie ein Gedanke. Eine Idee die aber nicht von ihm kam. Lauf! Also nahm er seine Beine in die Hand und lief zur Tür. Währenddessen brach die Stille zwischen dem Monster und Maalik. Das Monster schrie auf und holte mit einer Pranke aus um Maalik so wie er war in den Boden zu rammen. Oliver hörte ein leichtes Surren so als ob ein Kolibri an ihm vorbeigeflogen wäre und die Klaue des Wesens landete unter dem Gebrüll desselben auf dem Boden. Maaliks Augen brannten auf. Er schwebte in der Luft auf Augenhöhe seines Gegenüber und aus seinen Schulterblättern flammten zwei rot züngelnde Flügel heraus. Als er sprach war seine Stimme wie ausgewechselt. Es erinnerte Oliver an den vorherigen Abend auf dem Friedhof. Diese mächtige Ehrfurcht gebietende Stimme. “Ich bin Maalik. Ich bin der Herr deines Herren. Ich bin der Oberste der Zwanzig und der Zorn Gottes. Erhebst du deine Hand gegen mich ist die Konsequenz dein Tod.” Während er sprach formte das Feuer, welches ihn umgab, drei Federn aus Metall in seiner Hand. Das Biest stieß seinen Kopf nach vorne, riss sein Maul auf und hing plötzlich an derselben Wand auf die auch Oliver geprallt war, in der Luft gehalten von den drei Federn die es an Kopf und Schultern dort festpinnten. Oliver war wie versteinert. Das war einfach zu viel. Er konnte sich nicht rühren, bis Maalik, welcher inzwischen wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen war und wieder aussah wie vorher, seine Hand ergriff und sie aus der Wohnung zog. “Wir müssen hier weg. Es werden mehr kommen”, sagte er beinahe beiläufig während er Oliver, dessen Hand er nachwievor mit seiner eigenen fest umgriffen hielt, immer weiter zog. “Aber wer sind die?”, fragte Oliver verwirrt.
“Dämonen. Und keine von der netten Sorte.”
“Es gibt bei Dämonen eine nette Sorte?”, fragte Oliver mit einem leichte Schmunzeln.
“Wenn du wüsstest.”
“Und warum verfolgen die dich?”
“Wegen dir. Ich sollte nicht hier sein. Nicht mit dir. Und das eben…”, Maalik verschluckte den restlichen Satz.
“Aber warum bist du dann hier?”
Maalik stoppte so abrupt, dass Olivers Hand aus der seinen gerissen wurde bevor beide zum Stehen gekommen waren.
Oliver drehte sich zu Maalik um und sah ihn an. Sein Gesicht wirkte wieder wie versteinert.
“Ich habe ein Versprechen gegeben. Nein, es ist mehr. Ich habe einen heiligen Eid geleistet. Deshalb bin ich hier.”
“Was hast du geschworen?”
“Das ich dich beschützen werde. Das ich dir helfen werde. Das ich für dich da bin.” Maalik atmete tief ein. “Ich habe deiner Mutter diesen Eid geleistet. Ich würde auf dich achten, sobald sie es nicht mehr kann.”
“Aber warum?”
Bevor Maalik antworten konnte, stürzte er auf die Knie. Oliver sah einen Pfeilschaft aus seinem Rücken ragen. Maalik hustete und färbte den Bürgersteig vor ihm rot. Oliver sah nun etwa hundert Meter hinter ihnen den Schützen. Maalik hustete erneut und erbrach daraufhin einen Schwall Blut. Das Skelett, welches gerade eine weitere seiner Rippen abbroch, starrte sie aus leeren Augenhölen an. Dann steckte es die Rippe mit der Spitze in einen kleinen Beutel an seinem Beckenknochen und als er sie wieder herausnahm und sie an die Sehne seines knöchernen Bogens zu legte, transformierte die Rippe in seiner Hand zu einem weißen, knöchernen Pfeil mit einer silbrig schimmernden Spitze. “Das ist Adamant”, brachte Maalik gurgelnd hervor. ”Zieh ihn raus!” In diesem Moment ließ das Skelett die gespannte Sehne los und der Pfeil surrte los. Oliver wusste nicht so recht was er tat. Er sprang an Maalik vorbei, baute sich vor ihm auf und hob die Hand. “Du bekommst ihn nicht”, sagte er. Und kurz bevor der Pfeil auf seiner Hand auftraf glühten seine Augen grün auf und der Pfeil blieb kurz in der Luft stehen, bevor er zu Staub zerfiel. Noch bevor das Skelett einen weiter Pfeil abschießen konnte, deutete Oliver mit einem Finger auf es und eine millisekunde später steckte ein Pfeil aus grünem Licht in seinem Kopf und es löste sich auf.
Oliver rannte zurück zu Maalik und zog den Pfeil aus dessen Rücken. Sofort begann das Fleisch zu heilen und kurz darauf hatte er nicht mehr den geringsten Kratzer. Während Maalik sich erhob, blickte Oliver ungläubig auf seine Hände. Er hatte keine Ahnung was er gerade getan hatte. Es war instinktiv gewesen. Maalik sah ihn an und nahm seine Hände in die eigenen. “Deine Mutter war eine Seeleneintreiberin. Sie hat für uns gearbeitet.”, sagte er so sanft wie man einen solchen Satz eben sagen kann. “Als Teil der Gegenleistung habe ich ihr diesen Eid geschworen.”
“Aber warum hätte sie so etwas tun sollen? Und was habe ich gerade getan?”
“Ihr, also deine Mutter und du, seid Nachfahren eines Nephilem. Ihr habt Gaben. Deine ist die Fähigkeit, übernatürliches zu negieren.”
Oliver konnte nichts entgegnen. Ihm stand nur der Mund offen und sein Gehirn versuchte die Informationen zu verarbeiten, die sich in den letzten paar Stunden angehäuft hatten.
Maalik sah ihn mitfühlend an. “Ich weiß es ist viel zu verarbeiten. Aber wir müssen weiter.”
“Aber warum jagen sie dich. Wegen diesem Eid? Dann vergiss ihn. Ich entbinde dich davon.”
Maalik zog Oliver näher an sich und legte seine Hand auf dessen Wange.
“Nein. Ich werde gejagt weil ich ein Engel bin. Und was auch immer wir tun, es ist einem Engel unter allen Umständen untersagt sich in einen Menschen zu verlieben.”
Oliver sah ihm in die Augen. Während er den Kloß in seinem Hals versuchte zu unterdrücken sagte er mit leiser Stimme: “Dann tu es nicht.”
Maalik kam ihm immer näher und er flüsterte er: “Zu spät.” Bevor sie sich erneut in einem tiefen Kuss verloren.
Als sie sich voneinander lösten, sackte Maalik erneut in dich zusammen. Er hob den Kopf und sah Oliver an während das Feuer in seinen Augen langsam erlosch. Oliver schrie auf und ließ sich auf die Knie fallen. Er nahm Maaliks Hand in die seine und küsste ihn auf den Kopf, den er verzweifelt in seinen Armen hielt. Der erste Tropfen, der auf die Asche fiel, die bis vor kurzem noch Maaliks wundervolles schwarzes Haar gewesen war, war die erste Träne Olivers, die ihren Weg sein Gesicht hinunter gefunden hatte. Danach mischte sich Regen in die folgenden Tränen. Wenn Gott wirklich existierte..
Oliver stand auf. Schmerz und Trauer in seinem Herzen und Wut in seiner Brust. Seine Augen glühten auf als er Gott anflehte ihm zu helfen.
Plötzlich war es still. Nichts rührte sich sich mehr. Oliver war auf die Knie gesunken und schluchzte als er plötzlich feine Finger spürte, die sein Kinn sanft anhoben. Als sich seine Augen an das hell strahlende Licht gewöhnt hatten sah er eine wunderschöne Frau vor sich stehen. Es war unmöglich ein Alter zu schätzen. Ihre langen, braunen Haare wogten wie in einer leichten Briese. Und ihre Haut schien pures Licht zu verströmen. Oliver war schlagartig klar wen er vor sich hatte. “Bitte”, flüsterte er. ”Bitte gib ihn mir zurück.” Die Frau streckte ihre andere Hand fordernd aus. “Du kannst alles haben. Mein Leben. Meine Seele. Nur bitte. Bitte bring ihn wieder zurück”, bettelte Oliver. Die Frau nickte und legte einen Finger auf Olivers Stirn. Es fühlte sich an als würde alle Wärme aus ihm herausgezogen und er sackte zusammen als seine Kräfte ihn verließen. Das Licht erlosch. Die Frau war verschwunden und Oliver kippte zur Seite weg während seine Augenlider flattern. Das letzte, dass er wahrnahm, waren zwei starke Arme die ihn auffingen bevor er auf dem Boden aufschlug und hellbraune, fast karminrote Augen, die ihn mit absolutem Glück anschauten. Dann ergriff das Dunkel von ihm besitzt und er schwebte davon in die Finsterniss.
Eine Antwort auf „Der Seelendieb“
Oliver und Maalik sind wie zwei Seiten einer Münze. Sie gehören zusammen, ohne jeglichen Zweifel, sind aber so unterschiedlich, dass sie sich nie berühren können – bis zum Ende, bei dem mir die Tränen gekommen sind tatsächlich. Du schreibst wahnsinnig gefühlvoll und hast Charaktere erschaffen, mit denen man wirklich mitfiebert. Vielen Dank dafür! Bitte mehr davon, kann ich nur sagen!