Ein alter Tempelritter quälte sich durch die Sahara auf der Suche nach seinen Kameraden. Ein Sandsturm hatte sein Bataillon überrascht und einige der Krieger auseinandergetrieben. Zwei Tage irrte der alte Krieger bereits durch die Wüste, alle Spuren verweht und ohne Proviant hatte er nicht viel Hoffnung, seine Gefährten jemals wieder zu sehen. Sein Glaube aber blieb stark und unbeirrbar, Gott wacht über seine Schafe, wie die Hirten aus der Bibel, dessen war er sich gewiss. Doch sollte er hier in der Wüste sterben, dann mit Hingabe und Liebe zu seinem Herren, denn dann wäre es Gottes Wille. Während er langsam weiterging, kamen Erinnerungen an seine Heimat hoch. Seine Jugend im Kloster, seine Ausbildung zum geweihten Priester, seine Gemeinde und auch seine Freunde; es schnürte ihm die Brust zu und er verdrängte die Erinnerungen an bessere, einfachere Zeiten. Vielleicht liegt es aber auch nur an der schweren Rüstung, dachte er sich und musste lächeln. Als der König seines Landes und auch der Papst den heiligen Krieg ausriefen fühlte er sich berufen und griff zu den Waffen. Das war nun 12 Jahre her, er hatte in der Zeit viele Schlachten geschlagen und den Beinamen „Roter Priester“ bekommen, das Blut seiner Feinde hatte seinen weißen Umhang in der ersten Schlacht tiefrot gefärbt. Nun aber war er staubbedeckt und erinnerte eher an eine Bettler, wäre da nicht die Rüstung und der Zweihänder auf seinem Rücken. Gegen Mittag des dritten Tages erblickte er ein Gebilde am flimmernden Horizont, sich gewahr das es eine Fata Morgana sein könnte läuft er dennoch darauf zu, was hatte er noch zu verlieren. Am Abend erreichte er sein Ziel. Vor ihm erhob sich ein gelblicher Felshügel, so hoch wie fünf Männer und groß genug um einem Dorf darauf Platz zu bieten, die Seiten glatt wie eine Mauer und fast senkrecht. Er ging am Felsen entlang, auf der Suche nach einer Möglichkeit nach oben zu kommen. Nach einigen hundert Schritten entdeckte er eine Spalte im Felsen, erst wollte er sie ignorieren, doch dann sah er sie sich doch näher an. Die Spalte verbarg eine Treppe, gehauen in den Stein, die ihn nach oben führte und dort erblickte er einen gewaltigen, natürlichen Platz von einer erhabenen Schönheit. Im Angesicht dieser gottgeschaffenen Schönheit fiel der Ritter auf die Knie, faltete die Hände zum Gebet und dankte Gott für diesen Anblick. Erst jetzt sah er was sich im Zentrum dieses Plateau verbarg. Ein rundes Gebäude, von einer Kuppel gesäumt, aus dem gleichen Stein bestehend auf dem er stand, thronte in einem Zirkel aus niedrigen Säulen. Einige der Säulen lagen auf dem Platz, vom Zahn der Zeit niedergestreckt, doch ihre Schönheit war noch zu erkennen. Mit Ornamenten und Symbolen verziert, die er nicht zuordnen konnte, geädert von anderen Mineralien. Ehrfurcht übermannte den Ritter und er fragte sich welche großartige Nation der Vergangenheit solche Pracht hervorgebracht hatte. Das fensterlose Gebäude hatte glatt polierte Mauern, in denen sich die untergehende Sonne spiegelte, die Kuppel bestand aus dem gleichen Gestein, doch war sie vergoldet. Im Gegensatz zu den Säulen, denen man ihr Alter deutlich ansehen konnte, wirke das Gebäude keine fünfzig Jahre alt, ganz so als hätte die Zeit ihm nichts anhaben können. Eine Pforte aus eisenbeschlagenem schwarzem Holz war der einzige Zugang ins Innere. Von Neugier getrieben stemmte sich der Rote Priester gegen eines der Türblätter, fast zwei Mannshöhen maßen diese, und nach einem kurzen Widerstand schwang es mit einem leisen, tiefen Knarren nach innen auf. Seine Augen brauchten einen Moment um sich an die diesige Dunkelheit zu gewöhnen. Nun erkannte er was das für ein Ort war, denn die Wände waren voller Nischen, gefüllt mit Truhen aus Metallen und Holz, und ein Altar stand am anderen Ende des runden Raumes. Es war ein Mausoleum, eine Ruhestätte, doch keines der ihm bekannten Bauweisen. Am markantesten waren die vier Säulen, die die Kuppel stützten, denn sie wuchsen in der Mitte zusammen, wie die Wurzeln eines Baumes die zum Stamm werden. Nie zuvor hatte er solch eine Baukunst gesehen, weder in Rom, noch in Griechenland oder in Jerusalem. Die Kuppel war bemalt mit Menschen oder alten Götzen, an manchen Stellen in Schlachtszenen dargestellt, an anderen mit Festen, Früchten und Tieren. In der Mitte hing eine goldene Halbkugel herab, die mit den gleichen Ornamenten und Symbolen verziert war, wie die auf den Säulen draußen. Direkt darunter befand sich ein Loch im Boden und als der Ritte darauf zuging, sah er eine Wendeltreppe die in das Innere des Felshügels führte. Er zögerte, ob er hinab steigen sollte, überwand sich aber und machte sich aus seinem Umhang eine Fackel. Ein Gefühl überkam ihm während er im Licht der Fackel die Treppe hinunter ging, ein Gefühl welches er schon lange nicht mehr zu kennen glaubte. Furcht; vor dem Ungewissen, vor diesem Ort. Doch er schüttelte sich und warf damit die Angst ab. Er war nun bereit einige Minuten unterwegs und er war sich sicher, dass er sich bereit unter dem Hügel befinden musste. Die Schatten tanzten über die Wände und es nun deutlich kälter geworden. Wie aus dem Nichts tauchte ein Torbogen vor ihm auf mit einem Eisengitter als Tür, die Fackel vermochte nicht die Dunkelheit dahinter zu durchdringen. Er stieß das Gitter auf, ein lautes Quietschen hallte durch die Dunkelheit und enthüllte allmählich, was sich dahinter verbarg. Ein gewaltiger Raum, einem Saal nicht unähnlich, erstreckte sich nun vor dem Ritter, finster, eisig und das was vorher noch Furcht war kehrte nun als Angst zurück. Den Grund dafür zu benennen war ihm unmöglich, doch er wagte es nicht auch nur einen Schritt in diesen Raum zu tun, statt dessen wich dieser alte, erfahren Krieger davor zurück. Er eilte sich die Treppe wieder hinauf zu kommen und war froh als er wieder in der Kuppel ankam. Doch etwas hatte sich verändert, er nicht mehr alleine in diesem Mausoleum. Die Fackel fallen lassen, zückte er instinktiv seinen Zweihänder, als er die Silhouette eines Menschen an der Pforte sah. Wer da? Zeige dich!, rief er und machte einen bedrohlichen Schritt auf den Unbekannten zu. Dieser wich zurück und hob die Hände über den Kopf, als Zeichen dafür unbewaffnet zu sein. Der Ritter ging seitwärts in Richtung einer der Säulen, um nicht mehr von dem hereinfallenden Licht geblendet zu werden. Vorsichtig nährte er sich der Pforte und erkannte nun, wer da vor ihm stand. Es war eine Frau. Sie hatte ein Kleid an, mit seidenen Schleiern versehen, in der Farbe der aufgehenden Sonne. Goldene Münzbänder hingen an ihren Hüften herab, die Schultern mit einem buntem Tuch bedeckt, ein Bündel geschultert, das Gesicht mit einem blauen Schleier verborgen. Auf Ihrem Kopf trug sie ein silbernes Band an dem Anhänger baumelten. Sie sah aus wie eine der Frauen aus den türkischen Harems, von zierlicher Gestalt, doch kurvenreich. Langsam ließ er das Schwert sinken, hielt es aber dennoch fest in der Hand. Wer bist du?, fragte er, doch sie antworte in einer ihm fremden Sprache. Ihr Ton klang flehend, die Stimme zittrig, er glaubte nicht das sie eine Gefahr darstellte. Er stellte das Schwert vor sich, hielt das Heft aber weiterhin fest, und die Frau trat nun ihrerseits vorsichtig ein. Sie schien geschwächt zu sein, denn sie hob kaum die Füße vom Boden und schwankte auch leicht. Im nächsten Moment brach sie auch schon zusammen. Der Ritter ließ sein Schwert donnert zu Boden fallen und schaffte es gerade so noch die Frau aufzufangen. Er lüftet ihren Schleier um zu sehen was ihr fehlte, doch sie schien nur Ohnmächtig zu sein. Nun sah er ihr Gesicht zum ersten Mal und was er sah war eine Göttin. Ihr herzförmiges Gesicht war von hohen, geschwungen Wangenknochen gezeichnet; die schmale, kleine Nase ging in volle, rosa Lippen über, bronzene, glatte Haut und ihr volles schwarzes Haar lugte hier und da unter dem Schleier hervor. Sie war eine junge Schönheit ohne gleichen, keine dreißig Jahre alt, und kam ihm so rein vor, dass er es nicht wagen wollte sie zu berühren. Er hob die Ohnmächtige auf und trug sie zum Altar, worauf er sie behutsam ablegte. Die Sonne war bereits untergegangen und es wurde zunehmend kühler. Er musste ein Feuer machen, also sprach er ein Gebet, um den Herren um Verzeihung zu bitten für das was er nun tat. Er durchwühle alle Kisten im Raum, nach Kleidung und brennbaren, doch fand er hauptsächlich Gebeine darin und etwas Gold und Silber. Also leerte er die Kisten, schüttete alles auf einen Haufen und machte sich daran die Kisten zu zertrümmern und vom Metall zu befreien. Aus den Planken machte er ein kleines Feuer in der Nähe des Altars und setzte sich. Nach einigen Minuten machten sich die Strapazen der letzten Tage bemerkbar und er fiel in einen unruhigen Schlaf. Nach ein paar Stunden wachte die Frau wieder auf, langsam setzte sie sich auf und sah in der vergehenden Glut den schlafenden Ritter. Er war im Schneidersitz eingeschlafen, die riesige Klinge seines Zweihänders an der Schulter gelehnt, die Spitze im Schoß. Die Nacht war bereit fortgeschritten, es musste nach Mitternacht sein. Die Kälte der Wüste drang durch die offene Pforte ein und es fröstelte ihr. Als sie aufstand um sich an die sterbende Glut zu setzen, regte sich der Ritter und griff nach dem Heft seines Schwertes, doch nach einem kurzen Rundumblick entspannte er sich wieder. Sie setze sich ihm gegenüber, taktierte ihn mit ihren Augen, sie war nach wie vor auf der Hut. Er konnte es ihr nicht übel nehmen, immerhin hatten er und seine Kameraden Tausende ihres Volkes abgeschlachtet und viele seiner Leute hatten noch weit aus Schlimmeres getan. Er selbst war nun der Kämpfe müde und hatte bereits vor Ewigkeit das Zölibat geschworen, vor ihm brauchte sie keine Angst haben, doch konnte er ihr dies nicht erklären. Also legte er sein Schwert beiseite und schob das Heft in ihre Richtung, woraufhin sich die Frau merklich entspannte. Sie griff nach dem Heft und als er keine Anstalten machte sie daran zu hindern, zog sie es zu sich und betrachtete das fein gearbeitete Schwert. Es war ein einfaches aber qualitatives Schwert, man merkte das der Besitzer auf Prunk und Schmuck keinerlei Wert legte, doch war der Stahl von bester Qualität und sehr gut gepflegt worden. Während sie interessiert das Schwert betrachte, beobachtete er sie sehr eindringlich. Sie war gebildet, das erkannte man der Art wie sie die Klinge untersuchte, und das schwache Licht der Glut schmeichelte ihrer Schönheit. Ein Gefühl stieg in seiner Brust auf, eines welches im völlig neu war, aber nicht nur in der Brust regte sich etwas. Er hatte zwar zuvor schon mal Verlangen verspürt, doch niemals in solchen Ausmaße, dass sein Glaube eschwankt hätte. Irgendetwas war anders an ihr. Er konnte es nicht benennen, nicht erfassen; Aufregung, Neugier und Lust stiegen in ihn auf, wie die Wellen einer stürmischen See und brachen übereinander auf ihn ein. Doch wurde ihr stilles Beisammensein plötzlich gestört. Aus den Eingeweiden der Erde stieg mit einem Mal ein Wind auf, er stieß mit einem hohen Heulen aus dem Loch und hallte und wehte in dem Mausoleum. Ein Wind der nicht hätte sein können, da der Ritter unten keine Lichtquellen ausgemacht hatte, die auf eine Öffnung hingedeutet hätten. Zudem war es draußen genauso ruhig wie zu vor, nur im Mausoleum heulte die Luft und es schwangen undeutliche Stimmen darin. Der Ritter sprang auf die Füße und streckte seine rechte Hand der Frau entgegen, während er sich in der Kuppel umsah. Die Frau verstand seine Geste und reichte ihm sein Schwert, sie war nun ihrerseits aufgestanden und hatte sich dem Ritter genähert. Unbewusst fühlte sie sich in seiner Nähe etwas sicherer, denn auch ihr war die Situation nicht geheuer. Der Wind nahm immer mehr zu, bis es sich wie ein Sturm anfühlte, der unterhalb der Kuppel tobte und die Stimmen wurden zu leisen Schreien, hallend in dem alten Gemäuer. Klagen und Wimmern erfüllte den Raum, es klang wie das Leid der gesamten Menschheit und ergriff ihre Herzen, die Brust bleiern und geschnürt atmeten beide mit größter Not. Nackte Angst übermannte sie, unfähig sich auch nur einen fingerbreit zu rühren, standen sie wie Salzsäulen da, während der Sturm tobte. Die Frau fiel auf die Knie und betete zu ihrem falschen Gott, der Ritter richtete in Gedanken sein Gebet zu Gott, doch wie immer war schweigen die Antwort. Letztlich erhob sich der Ursprung des Getöses aus dem Inneren der Tiefe, ein klarer, hoher Schrei schwoll an und ließ das Mausoleum erzittern, begleitet von einem fahlen, blau-grünem Schimmer, heller werdend. Das kalte Licht ließ die Schatten schwinden und alles wirkte flach und zweidimensional, während sich die Umgebung zu verändern schien. Der Staub schwindete, Risse wuchsen zu, das Firmament ergraute, doch zugleich wurden die Bilder deutlicher, fast schon lebendig. Die Böen rissen an ihren Kleidern, eisig kalt und unnachgiebig wie der Winter in Sibirien, der Atem bildete Wolken, die als Schnee zu Boden regneten. Mit einem ohrenbetäubenden Donnern erhob sich etwas aus der Gruft, des Ritters erster Gedanke, der Teufel wandelt auf Erden. Doch war diese Existenz etwas anderes, ein Schimmer in der Luft, mehr Fata Morgana als Erscheinung, und doch konnte man Texturen, Umrisse und gleichzeitig Details wahrnehmen. Zuerst sah es aus als würde ein Kokon oder Ei unter der Kuppel aufsteigen, gut zwei Mannesgrößen hoch, wieder begleitet vom Weinen und Wimmern. Ritter und Frau wichen an die Wand zurück und mit Entsetzen offenbarte sich ihnen die Gestalt.
Langsam öffnete sich der Länge nach die Hülle des Wesens und nun erkannten sie mit was sie es zu tun hatten. Es waren gefederte Flügel, die sich erst langsam, dann mit einem Ruck, öffneten und den Blick auf eine menschliche Gestalt freigaben. Wogen von Stoff verhüllten den Körper, die aufgesetzte Kapuze verbarg aber nicht das faulende Gesicht eines Menschen, an einigen Stellen hing die Haut aufgerissen herab und bleiche Knochen schimmerten darunter. Lehre Augenhöhlen blickten auf sie herab und einem grausamen Lächeln ähnlich, verschwand der Rest der Lippen und das widerwärtige Grinsen eines Schädels kam zum Vorschein. Gevatter Tod ist erschienen, so dachte der Ritter, dies ist meine Erlösung. Gott schickt mir seinen Diener, um mich zu sich zu holen. Er wollte sich gerade seinem Schicksal ergeben, als neben ihm ein dumpfer Schlag ertönte. Die Frau war zusammengebrochen, totenblass und doch wunderschön lag sie auf den alten Steinfließen, gerade so als würde sie schlafen. Etwas war anders an ihr, ihre Kleidung bestand nun aus dünnem Leder, grob geschnürt, auch ihr Haar hatte sich verändert. Es war nun mit Knochen, Muscheln und Steinen gespickt, jeglicher Schmuck war verschwunden. Es war immer noch die selbe Frau, doch nun sah sie aus wie jemand aus einem anderen Zeitalter. Keine Ahnung was sich hier abspielte, reagierte der Ritter nur, kniete sich hin und berührte die Frau an der Wange. Die Wärme ihrer Haut durchdrang den Panzerhandschuh und beruhigte ihn ein wenig. Sie schien noch am Leben zu sein. Sich langsam aufrichtend taxierte er nun die grausig engelsähnliche Gestalt, die ihrerseits die Kiefer leicht öffnete und ein hallendes Stöhnen freigab, welches ihm das Blut in den Andern gerinnen ließ. Sein Herz setzt für einen Moment aus und sein Körper fing an zu beben. Nur mit äußerster Mühe konnte er sein Schwert heben, die Spitze zitterte in der Luft. Die unheilige Existenz hob ihren rechten Arm und griff in die Luft, woraufhin eine Klinge in ihrer Hand erschien, größer als ein Mensch und pechschwarz. Ein gurgelndes Lachen erfüllte den Raum und im nächsten Moment war der Todesengel bereit vor ihm und hob das Schwert. Der Ritter konnte den Schlag gerade so noch abwehren, erzitterte aber unter der Wucht und knickte ein. Die Kälte schien noch zugenommen zu haben und raubte ihm den Atem. Wieder holte das Monstrum zum Schlag aus, die Klinge pfiff durch die Luft, doch der Ritter rettete sich mit einem Hechtsprung zur Seite. Nach Atem ringend stand er auf, doch musste er mit Entsetzen feststellen das der Schlag nicht ihm gegolten hatte. Die Frau, ihr Torso diagonal zerteilt, lag in einer gewaltigen Blutlache, die Augen aufgerissen und voller Leid starrten sie ihn anklagend an. Zorn und Hass schwollen im Herzen des Ritters an und entfachten ein Feuer, welches ihm die Wärme und Kraft in seinen Gliedern wiederbrachte. Todesmutig stürzte er sich auf das Ungetüm, welches seinen Gott mit seiner Erscheinung verhöhnte, den Zweihänder durch die Luft wirbelnd wie einen Weidestock. Mit lautem Kampfgebrüll kämpfte er gegen den Todesengel, bot ihm die Stirn, parierte jeden Schlag und versuchte seinerseits zu treffen. Doch sie fochten auf Augenhöhe gegeneinander und so landete keiner einen Treffer. Der Kampf dauerte bis in die Morgenstunden. Das grausame Wesen aus der Untiefe schien schwächer zu werden, je näher der Tag rückte, doch noch immer landete der Ritter keinen Treffer. Als der Sonnenaufgang nah war kam der Kampf zum Ende, der Todesengel schlug einmal kräftig mit den Flügeln und erzeugten einen derartigen Sturm, dass es den Ritter von den Füßen hob und ihn hinaus schleuderte. Hart auf den Boden aufschlagend verlor er das Bewusstsein. Der Engel stand an der Pforte und schaute nach draußen, doch drehte er sich nach einem kurzen Augenblick um und schwebte zum Loch zurück. Kurz bevor die ersten Sonnenstrahlen den Horizont erreichten, tauchte die Erscheinung kopfüber ins Erdreich ab und löste sich mit einem gequälten Schrei auf. Einige Stunden später wachte der Ritter auf. Sein ganzer Körper schmerzte und brannte, doch er schleppte sich humpelnd und auf sein Schwert gestützt zum Mausoleum zurück. Er konnte nicht fassen was er vorfand. Keine Spur eines Kampfes, keine Spur von der Frau, kein Loch im Boden. Ungläubig suchte er alles ab, auch draußen, fand aber keinerlei Beweise für die Geschehnisse der letzten Nacht. Doch das einzige an das er denken konnte war die junge Schönheit die er getroffen hat, das erlebte Grauen beschäftigte ihn gar nicht wirklich. Nicht wissend was er nun tun sollte, setzt er sich in den Schatten der nördlichen Mauer und versuchte sich alles ins Gedächtnis zu rufen, was er gesehen hatte. Der Tag verging und der erschöpfte Ritter fiel in einen tiefen, traumlosen Schlaf. Er erwachte erst wieder als die Sonne gerade unterging, doch zu seiner Überraschung fühlte er sich wie neu geboren. Er stand auf und wollte gerade sein Schwert schultern, als ihm die gewaltigen Kerben auffielen, die der Kampf gegen den abscheulichen Engel hinterlassen hatte. Er wollte nur noch weg von diesen unheiligen Ort, doch etwas ließ ihn nicht los. Also ging er mit gezogener Waffe nochmals ins Mausoleum, in der Hoffnung etwas zu finden, was ihm eine Erklärung liefern würde. Tatsächlich fand er etwas, nämlich ein Loch im Boden mit einer Steintreppe die hinab führte. Panisch wich er zurück und wollte gerade aus dem Gemäuer rennen, als er eine Silhouette in der Pforte stehen sah. Es war die Frau, die selbe Frau die er letzte Nacht hat sterben sehen, und sein Herz macht einen freudigen Hüpfer bis zu seinem Hals. Scheppernd landete sein Schwert auf den Steinfließen. Er konnte nicht glauben das er sie wiedersah, diese einsame, stille Schönheit, die ihn so verzauberte. Sie trat an ihn heran, umarmte ihn und lud ihn ohne etwas zu sagen zum bleiben ein. Er blieb bei ihr. Und Nacht für Nacht wiederholte sich die Geschichte der dreien, in dem Versuch sie vor ihrer Vergangenheit zu retten.