Ich schlüpfe. Aus meinem warmen, geschützten Bett kämpfe ich mich frei. Ich reiße es auf und komme an die Luft. Es ist warm. Die Sonne wärmt mich. Ich befreie mich endgültig aus den Fängen meines Käfigs, aus dem Kokon meiner Gefangenschaft. Jetzt bin ich frei. Ich breite meine Flügel aus und lasse kurz ihre Farben von der Sonne erstrahlen, bevor ich mich in die Luft erhebe. Ich habe eine weite Reise vor mir.
Fliegen. Immer weiter fliegen. Ich habe es fast geschafft. Ich brauche einen Platz für mich. Ich muss mir eine Stelle zum Landen suchen. Ich muss mich ausruhen. Die Sonne erhellt das Gras. Da kann ich nicht landen. Ich brauche etwas freieres. Was ist das? Etwas schimmert mich an. Ich fliege näher heran. Es ist eine Frau. Eine wunderschöne Frau. Ihre Haare leuchten rot im Licht der Sonne. Ihre Haut ist bleich. Sie bewegt sich nicht und starrt bloß in die Luft. Ihre Augen passen zu der orangenen Färbung meiner Flügel. Ich werde auf ihr landen. Auf ihren Lippen. Sie sind nicht weich. Sie sind hart. Und sie sind kalt. Zu kalt. Es stört mich nicht. Hier werde ich ruh´n. Auf den kalten Lippen der toten Frau.
Eine Antwort auf „Schweigen“
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