Der Tag beginnt und so mein Leben auch
Ich frage mich, was wird es bringen?
Wie ein ungeboren Kind in der Mutter Bauch
Doch bald soll ich vom Leben singen.
Noch bin ich eingehüllt, dunkel und warm
doch mit neu gewonnener Kraft
breche ich heraus aus meinem Kokon
warte, ich habe es gleich geschafft.
Auf meiner Haut ein Prickeln, ein Leuchten
wie eine Nadel aus glühend’ Eisen
Ich entfalt‘ meine Flügel, die noch feuchten
und mache mich auf meine Reisen.
Der Wind streicht sanft, es scheint die Sonne
kräftig stoße ich mich ihr entgegen
und mit voller, euphorischer Wonne
kann ich endlich durch den Himmel fegen.
Losgelöst von Sorgen und der Welt
tanze ich durch die lauen Lüfte
doch plötzlich der erste Tropfen fällt
die Sonne nicht mehr durch die Wolken schlüpfte
Der Wind wird frischer und beginnt zu beißen
der Regen macht meine Flügel schwer
die Lüfte mich durch den Himmel reißen
als ob ein welkes Blatt ich wär‘.
Dort – ein Fleck auf rotem Stein
Ich mühe meine schweren Glieder
und mit meinem trägen Sein
lass auf der Mauer ich mich nieder.
Auch wenn die Sonn‘ dem bleichen Mond,
die Wärme kühlen Winden wich,
so blieb ich doch bisher verschont
seh‘ noch den Glanz, der nie verblich.
Was spürt da meines Flügels Spitze?
Was sieht mein schwarz getrübtes Aug‘?
Nicht weit entfernt von wo ich sitze,
ein helles Licht das auf mich schaut.
Ich recke meine starren Glieder
und werf‘ mich in die nächt’ge Luft
Ich ahne Licht und Wärme wieder
mit der das Auge nach mir ruft.
Und wirklich, ich spür‘ die brennend Hitze
da habe ich es auch schon erschaut
obgleich ich auf dem Auge sitze
das Licht vor meinem Blick vergraut.
inspiriert von Schweigen von Veronuschka