Kategorien
Season 1

Salem

Lesedauer 16 Minuten

Jeb riss seine Augen auf. Schwer presste er die Luft aus seiner Lunge. Sein Schlafrock war durchgeschwitzt und klebte an seiner Haut.
Er sah neben sich, doch der Platz zu seiner linken war leer.
Langsam löste sich seine Anspannung. Es war nur ein Traum gewesen. Ein weiterer Alptraum.
Vor wenigen Tagen erst, hatte er seine Frau zu Grabe getragen. Seitdem erschien sie ihm jede Nacht im Schlaf.
„Sie ist eine Hexe!“, hörte er seine geliebte Rahel noch immer in seinen Gedanken.
Er stand auf und trat ans Fenster.
Der Mond schickte sein Licht durch das Fenster und ließ die Nacht beinahe taghell erscheinen. Er schluckte. Früher hatte er die Stille der Dunkelheit als tröstend empfunden, doch heute gab es ihm nur ein beklemmendes Gefühl.
Er lehnte seinen Kopf an das kühle Fensterglas. Er gönnte sich einen Moment, um sich zu beruhigen und durchzuatmen.
Ein Geräusch ließ ihn erschrocken herumfahren.
„Was willst du?“ rief er mit zitternder Stimme.
„Vater, ich kann nicht schlafen.“ Seine kleine Tochter Abigail, lief auf ihn zu.
Erleichtert atmete er aus und schloss sie in seine Arme.
„Möchtest du heute Nacht hier schlafen?“
Sie nickte und kletterte schnell ins Bett.
Er folgte ihr und umarmte sie schützend.
„Ich vermisse Mutter“, schluchzte sie.
„Ich weiß mein Kind. Ich vermisse sie auch.“ Er zog sie noch fester an sich und ihre Tränen kullerten auf seine Brust.
Es dauerte einige Minuten, dann hatte Abigail sich in den Schlaf geweint. Ihre Hand tief in seinem Bart vergraben, wie sie es als Neugeborenes bereits getan hatte. Er dachte über den Traum nach und konnte kaum mehr ein Auge zumachen.

Jeb legte einen Strauß Rosen auf das frische Grab. Tränen bahnten sich langsam einen Weg zu seinem Kinn, wo sie schließlich auf die Erde tropften. Er versank in ein stilles Gebet, das er nach wenigen Minuten mit einem „Amen“ beendete. Schließlich strich er noch einmal über das Holzkreuz, in das „Rahel Henderson – Liebende Ehefrau und Mutter – 1668 – 1692“ geschnitzt war. Danach ging er den Hügel, auf dem der Friedhof lag, hinunter ins Dorf. Er sah die mitleidigen Blicke der anderen. Sie machten seinen Schmerz schier unerträglich.
Er lief beinahe, als Samuel Parris, der Priester, ihn aufhielt.
„Gott segne dich, Bruder Jebediah.“ Er hob seine Hand zum Gruß an seine Hutkrempe.
„Einen gesegneten Tag, Bruder Samuel.“ Jeb hob seinen Hut etwas an.
„Wie geht es dir Bruder? Wenn die Gemeinde dir irgendwie helfen kann, oder deiner Tochter, lass es uns bitte wissen.“ Samuel klang ehrlich besorgt. Die wenigen Stunden Schlaf über mehrere Nächte, hatten Jeb tiefe Ringe unter die Augen gezeichnet. Die Haut war fahl und faltig.
„Ich danke dir Samuel. Ich werde bestimmt darauf zurückkommen. Ich kann es noch immer nicht glauben, dass der Herr mir meine geliebte Rahel genommen hat.“ Die Tränen versuchte Jeb wegzublinzeln, doch das Krächzen seiner Stimme konnte er nicht verbergen.
„Es tut mir leid, Bruder Samuel, doch ich muss weiter. Ich muss mich um meine kleine Abigail kümmern.“ Er hob abermals den Hut und setzte seinen Weg fort.
„Abigail kann jederzeit vorbeikommen und mit unserer Tochter spielen!“, hörte er den Priester noch rufen.

„Hilf mir, Liebling! Sie will mich töten!“ Eine Gestalt näherte sich seiner Frau. Er konnte nicht erkennen wer es war. Das Licht flimmerte und das Gesicht war unscharf, doch sah man, dass es eine weibliche Person war.
„Ich komme mein Herz!“ Er schrie so laut er konnte und rannte auf seine Frau zu. Vielleicht würde die Fremde auf ihn aufmerksam werden und fortlaufen, oder sich zumindest ihm zuwenden.
„Jeb, wo bist du nur. Hilf mir!“. Rahel schien ihn nicht zu bemerken.
Er hatte den Eindruck sich auf der Stelle zu bewegen. Er lief und kam doch nicht vorwärts. Die Fremde kam seiner Frau immer näher und hielt plötzlich ein Messer hoch. Panik breitete sich in ihm aus.
„JEB!“ Rahels Stimme wurde immer lauter, wurde jedoch immer wieder durch ihr Weinen unterbrochen. Er rannte so schnell er konnte, doch er kam nicht weiter. Er hatte nichts anderes bei sich, also zog er sich einen Schuh aus und warf ihn in Richtung der Fremden. Er wurde von etwas am Hinterkopf getroffen und er erkannte sein eigenes Schuhwerk wieder.
„RAHEL! RAHEL! LAUF WEG!“ Sein Hals brannte, so laut schrie er, doch niemand reagierte auf ihn.
Die Klinge sauste auf seine Frau nieder und traf sie in der Brust.
„NEEEEEIIIIIN!“, brüllte sie noch, dann verstummte ihr Schrei und verwandelte sich in ein leises Wimmern.
Jeb versuchte noch schneller zu laufen, doch seine Beine wollten ihn nicht mehr tragen. Er musste stehen bleiben, so sehr zitterten seine Knie.
„NEIN!“, schrie er, doch er konnte nicht verhindern was folgte.
Seine Frau wand sich vor Schmerzen, als ihr bei lebendigem Leibe die Haut vom Fleisch geschnitten wurde. Doch außer dem Weinen war nichts von ihr zu hören. Als ihre Brust und ihr Bauch von der Haut befreit waren, wurde etwas vom Fettgewebe und den Muskeln herausgeschnitten.
Jebs Beine gaben nach und er sank auf den Boden. Er wollte nicht aufgeben. Wenn er seine Frau schon nicht retten konnte, so wollte er zumindest wissen, wer sie getötet hatte. Er versuchte sich mit den Händen am Boden entlangzuziehen. Vielleicht täuschte er sich, doch ganz langsam schien er sich vorwärtszubewegen.
Die Fremde hielt nun eine riesige Zange in der Hand. Langsam knackte sie die Rippen entlang des Brustbeines.
KNACK, KNACK, KNACK! Jeb erschauderte bei jedem Mal.
Als die Angreiferin die Rippen auseinanderbog, übergab er sich. Doch sie hatte noch nicht genug. Sie nahm wieder das Messer zur Hand und schnitt einen großen Klumpen aus der Brust. Als sie ihn entfernte und hochhielt, konnte er das Herz seiner Frau noch für einen Moment schlagen sehen. In seinem Kopf hämmerte es zum selben Rhythmus. Gong, gong! Gong, gong! Dann hörte es auf. Stille. Das Herz stellte die Bewegung ein.
Einer Ohnmacht nahe, sah er noch, wie die fremde Frau einen Hammer zur Hand nahm. Diesmal sah sie ihm direkt in die Augen. Sie nahm ihn wahr. Sich dessen bewusst, dass er alles mitbekommen hatte, lächelte sie. Der Hammer sauste mehrfach auf den Kopf seiner toten Frau und zertrümmerte das, was einmal ihr schönes Gesicht gewesen war.
„Wieso?“, schrie er sie an.
Sie lachte nur höhnisch.
Schreiend wurde er wach. Wie die letzten Nächte bereits, keuchte er nur noch und seine Schlafstätte und sein Gewand waren vom Schweiß durchnässt.

„Bruder Samuel, hast du einen Moment Zeit?“ Jeb fand den Priester vor seinem Haus auf einer Bank sitzend vor.
„Aber natürlich, Jebediah. Setz dich doch bitte.“ Er wies auf den Platz neben sich. „Was hast du auf dem Herzen?“
Jeb atmete tief durch.
„Meine geliebte Rahel erscheint mir im Traum. Nacht um Nacht. Aber es sind keine schönen Träume. Ich sehe sie sterben. Jedes Mal auf noch grausamere Weise als zuvor. Mitten in der Nacht wache ich auf, schweißgebadet, panisch, erschöpft.“
„Ich verstehe. Erzähle mir von deinen Träumen.“
„In diesen Träumen, kann ich mich meist nicht bewegen. Ich versuche zu meiner Frau zu laufen, aber komme nicht vorwärts. Wenn ich rufe, kann sie mich nicht hören. Eine andere Person tötet sie. Es ist immer eine Frau. Rahel wurde bereits vergiftet, erschlagen und erdolcht. Einmal war es ein Scheiterhaufen, auf dem sie verbrannt wurde. Rahel schrie es sei eine Hexe.“
Samuel hörte aufmerksam zu.
„Welche Bedeutung haben diese Träume? Ist es eine Warnung, oder möchte mir meine Frau aus dem Grabe mitteilen, dass sie von einer Hexe getötet wurde?“, fragte Jeb.
„Jebediah, beides ist möglich. Ich habe schon länger den Verdacht, dass sich das Böse unsere schöne Stadt Salem ausgesucht hat, um den Krieg gegen Gott und seine Kinder auf die nächste Stufe zu heben. Ich denke Satan hat seine Diener geschickt und entweder war deine Frau ihr Opfer, oder sie will dich vor einem Diener der Hölle warnen. Sei auf der Hut Jebediah. Möglicherweise hat auch Luzifer selbst dir diese Träume geschickt, um dich zu verunsichern. Um die Angst unter Gottes Kinder zu schüren. Um dich zum Wanken zu bringen. Jebediah, du musst an Abigail denken und sie schützen. Wenn du denkst, dass sie in deinem Hause nicht mehr sicher ist, kannst du sie herbringen. Wir werden sie aufnehmen und mit Gottes Hilfe beschützen.“
Jeb nickte. Er dachte über das Gesagte einen Moment nach. Samuel war Priester. Ein Mann der Gottes Werk verschrieben war. Mehr noch als er selbst. Wenn die Dämonen über die Stadt herfallen würden, dann wäre seine Tochter nirgendwo so sicher wie in Samuels Haus, gleich neben der Kirche. Der Leibhaftige würde diesen geweihten Boden nicht betreten können.
„Du hast recht, Bruder Samuel. Ich werde nun nach Hause gehen und mit meiner Tochter sprechen. Gleich morgen werde ich sie zu dir bringen.“
Samuel lächelte zufrieden.
„Das ist sehr weise Jebediah. Deine Tochter ist so ein liebes Mädchen. Wie alt ist sie nun? Acht? Ein fabelhaftes Alter. Ich freue mich schon, wenn meine Tochter so alt wird.“
Samuels Lächeln breitete sich zu einem Grinsen aus.
„Ja, sie wird im nächsten Monat neun. Verzeiht mir Bruder, aber ich werde nun nach Hause gehen. Es wird schon spät.“

Jeb wohnte außerhalb der Stadt. Das Haus stand sehr abgeschieden. Wenn Abigail dort etwas passierte, würde keine Hilfe kommen, doch in Samuels Haus wohnten mehrere Leute und er hatte auch einige Nachbarn die Hilfeschreie hören würden. Ein Grund mehr seine Tochter in das Haus des Priesters zu bringen.
Die Nacht war bereits angebrochen und die Finsternis umhüllte ihn. Eben hatte er noch den Vollmond gesehen, der von einem roten Hof umhüllt wurde. Im nächsten Moment jedoch waren dunkle Wolken aufgezogen, die den Himmelskörper verdeckten und jegliches Licht schluckten. Ein böses Omen.
Jeb bereute, dass er sich keine Laterne mitgenommen hatte. Der Pfad war beschwerlich und führte durch ein Waldstück, welches er eben erreichte.
Er kannte den Weg auswendig, auch wenn er diesen in der Finsternis nur erahnen konnte, die den Wald noch bedrohlicher wirken ließ. Er spürte, wie sich Nervosität in seinem Bauch ausbreitete und langsam in Übelkeit wandelte. In der Ferne hörte er einen Wolf heulen und sein Herzschlag beschleunigte sich unwillkürlich.
Aus den Augenwinkeln konnte er einen Schatten sehen, der sich bewegte. Sofort wandte er den Kopf in diese Richtung, doch es war alles ruhig. Vielleicht hatte er sich getäuscht.
„Nur die Ruhe bewahren, Jeb“, sprach er sich selbst Mut zu.
Er hörte ein leises Rascheln in den Blättern hinter sich und beschleunigte seinen Schritt etwas. Er war sich sicher, dass etwas oder jemand ihn beobachtet wurde. Er spürte den Blick auf sich.
Auf jedes Geräusch im Wald konzentriert, wurde ihm erst jetzt bewusst, dass er außer dem Rascheln der Blätter, nichts hören konnte. Keine Vögel, keine Äste, nur der Wind der durch das Laub streifte. Es klang wie ein Flüstern. Unheilvoll, wie eine Schar Dämonen, die aus der Hölle gekrochen waren, um über ihn zu urteilen.
Er lief nun beinahe. Der unebene Boden machte es ihm schwer das Tempo zu halten, doch er wollte nur noch raus aus dem Wald.
Die Wölfe heulten. Waren sie jetzt näher als zuvor oder spielte ihm die Angst einen Streich? Vielleicht hatten sie bereits seine Fährte gewittert, konnten seine Angst riechen, spürten den Geschmack seines Fleisches bereits in ihrem Maul. Er war sich sicher, dass er sie bereits hinter sich herjagen hörte.
Er lief so schnell ihn seine Beine tragen konnten. Bald würde er den Wald hinter sich lassen und aufs Feld kommen. Dahinter lag sein Haus.
Nur noch wenige Minuten, dann war er sicher vor den Wölfen.
In seiner Angst gefangen, vergaß er, dass der Weg eine Biegung machte. Er rannte gerade in das Geäst. Eine Wurzel ließ ihn der Länge nach auf den Waldboden krachen. Er wollte sich schnell aufrappeln, doch vor lauter Panik stolperte er gleich nochmal. Der Atem wurde aus seiner Lunge gepresst, als er erneut fiel. Der Versuch einen klaren Gedanken zu fassen, wurde von den Wölfen hinter ihm vereitelt, die ihre Zähne lautstark fletschten. Er hörte, wie sie durch den Wald jagten und vom Flüstern der Dämonen begleitet wurden.
Jeb atmete einen kurzen Moment durch. Er griff auf einen Ast, den er nun nicht mehr losließ. Endlich konnte er sich aufrappeln und sah hoch. Er blickte in zwei Augen. Sie waren rot leuchtend. Schwefelgeruch stieg ihm in die Nase. Satan persönlich war aus der Hölle gestiegen, um ihn zu holen, dessen war er sich sicher.
„Und ob ich schon wanderte, im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück!“, schrie er außer sich vor Angst und schlug mit dem Ast in Richtung des Teufels. Doch er schlug durch ihn hindurch. Jeb flüchtete, rannte weiter. Sträucher und Äste zerkratzten ihm das Gesicht, als er aus dem Wald brach.
„Denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich! Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde!“
Vor Anstrengung flossen ihm Schweiß und Tränen über das Gesicht, doch das Zitieren des Bibelzitats gab ihm neue Kraft.
Das Knurren der Wölfe wandelte sich langsam wieder in ein Heulen. Jeb traute sich nicht, sich umzublicken. Er hatte Angst, dass sie sich nur am Waldrand sammelten, damit ihm die Meute gesammelt hinterherhetzen konnte.
Der Mond bahnte sich langsam wieder einen Weg hinter den Wolken hervor. Sein Schein traf Jebs Heim und es hob sich hell von der Umgebung ab, als würde der Herr selbst ihm den Weg weisen wollen.
Nur noch wenige Schritte, dann erreichte er das Haus. Stolpernd überquerte er die Schwelle und verriegelte die Tür hinter sich. Durch das Fenster konnte er die Wölfe nicht sehen, doch er hörte sie. Sie knurrten bedrohlich. Beinahe konnte er spüren, wie sie um das Haus schlichen und die Zähne bleckten.
Wenn diese Brut hier war, konnte der Dämon nicht weit sein.
Immer deutlicher nahm Jeb den Schwefelgeruch war. Er umklammerte den Ast in seiner Hand fester.
Vor seinem Haus konnte er ein Konzert der Höllenbrut hören. Wie sie schrien und zischten. Kreischten und lachten.
„Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen?“
Langsam ging Jeb rückwärts und entfernte sich vom Fenster.
Er hatte nicht gehört, wie sich langsam die Tür hinter ihm geöffnet hatte und eine Gestalt in den Raum trat. Nun stießen sie zusammen.
Jeb schwang den Ast mit aller Wucht hinter sich und traf.
„Wenn die Übeltäter an mich wollen, mich zu verschlingen, meine Widersacher und Feinde, müssen sie selbst straucheln und fallen.“
Mit jedem Wort schlug er nur stärker auf das Wesen ein.
„Wenn sich auch ein Heer wider mich lagert, so fürchtet sich dennoch mein Herz nicht, wenn sich Krieg wider mich erhebt, so verlasse ich mich auf ihn.“
Blicke lagen auf ihm. Die Dämonen beobachteten wohl, wie er mit einem der ihren verfuhr.
Er hörte die Knochen brechen, das Blut spritzen. Erst als das Röcheln verebbte, hörte er auf. Dieser Sieg war sein.
Er drehte sich zum Fenster. Die Dämonen waren verschwunden. Vermutlich aus Angst, dass er mit ihnen genauso verfahren würde. Vielleicht hatte er nun Ruhe.
Jeb hob den toten Körper des Dämons hoch und trat furchtlos aus dem Haus.
„Das geschieht mit euch, wenn ihr mir noch einmal zu nah kommt. Der Herr wacht über mich und er gibt mir die Kraft euch zu besiegen. Er verleiht mir die Stärke euch zu töten.“
Den Leichnam warf er hinter dem Haus achtlos auf den Boden.
Wieder zurück in seiner Stube, verriegelte er die Tür. Er setzte sich aufs Bett und noch bevor er sich hatte umziehen können, übermannte ihn die Müdigkeit.

Am nächsten Morgen fühlte sich Jeb ausgeruht. Er hatte durchgeschlafen und kein Albtraum hatte ihn heimgesucht. Die Sonne war bereits aufgegangen und energiegeladen sprang er förmlich aus dem Bett.
„Abigail!“, rief er seine Tochter.
Sie reagierte nicht, also ging er in den Raum nebenan, um sie zu wecken. Sie lag nicht in ihrem Bett. Er stutzte. Ob sie vielleicht draußen war? Aber sie ging doch sonst nicht ohne ihn zu fragen aus dem Haus.
Die Tür war verschlossen, der Riegel immer noch vorgeschoben. Auch die Fenster waren verschlossen.
Ihm fiel der Blutfleck am Boden auf und er erinnerte sich an die Brut der Hölle, die er letzte Nacht getötet hatte.
Stolz überkam ihn, dass er fertig gebracht hatte ein solches Untier zu vernichten. Doch das Gefühl hielt nicht lange an. Ob die Dämonen seine Tochter in die Hände bekommen hatten? War das Monster nur eines von vielen im Haus gewesen?
Hektisch stieß er den Haustürriegel zur Seite und eilte hinaus.
„Abigail!“
Stille.
„Abigail, wo bist du?!“
Er rannte panisch um das Gebäude.
„Abi…!“, versagte ihm die Stimme mittendrin.
Jeb sank auf die Knie. Er traute sich kaum den blutüberströmten Körper seiner Tochter zu berühren.
Sein armes, kleines Mädchen.
Wieso wurde seine Familie nur von einem Unglück nach dem anderen getroffen? Womit hatten sie das verdient?
War das eine der Prüfungen Gottes, von denen Samuel immer predigte?
Wurde so sein Glaube geprüft?
Bestimmt war das der Grund.
Als er das Biest getötet hatte, wurde er zum Gotteskrieger und die Höllensaat hatte sich seine Tochter geholt, um gleiches mit gleichem zu vergelten. Sie hatten die Leiber getauscht, um ihn zu quälen. Und Gott hatte es nicht verhindert, um den Glauben seines neuen Streiters zu prüfen. Um zu testen, ob er wankend würde, ob des schweren Verlustes.
Seine Rahel hatte ihn in seinen Träumen gewarnt. Es gab eine Hexe hier in Salem. Eine Frau die mit dem Teufel im Bunde war. Und der Herr hatte Jeb auserkoren, ihrem Treiben ein Ende zu bereiten.
Er würde keine Zeit verlieren und nicht eher ruhen, bevor er nicht allen Hexen und Teufelsanbetern den Garaus gemacht hat.
Er legte den zarten, leblosen Körper auf den Karren und zog diesen zu Samuel.

„Seid wachsam meine Freunde, denn Salem, unser aller Heimat, wird von finsteren Mächten heimgesucht. Hexen die dem Leibhaftigen persönlich dienen. Sie werden unsere Männer verderben. Unsere Kinder töten. Seht nur was unserem Bruder Jebediah widerfahren ist. Frau und Kind wurden ihm von den Dämonen der finstersten Hölle genommen. Vielleicht beginnt es harmlos. Kinder die schreien. Nicht mehr essen. Nicht mehr schlafen. Krankheiten die mit leichten Schmerzen beginnen. Doch das ist nur der Anfang! Bald schon wird eurer Leben bedroht und das Liebste wird euch genommen. Seid vorsichtig, denn die Zungen der Hexen sprechen verführerische Worte. Versprechen Heilung und Trost. Doch seid ihr erst in ihrem Netz gefangen, seid ihr verflucht und werdet Höllenqualen erleiden. Seid achtsam meine Freunde. Vertraut euch mir an, wenn ihr eine Hexe erkennt. Lasst sie uns jagen und ihnen zuvorkommen, bevor sie noch mehr Schaden anrichten können. Es steht schon im zweiten Buch Mose geschrieben: Die Zauberinnen sollst du nicht leben lassen! Wir werden sie aufspüren und richten. Im Feuer werden wir ihre Leiber reinigen, auf dass ihre Seelen vom Teufel befreit werden. Lasst sie uns jagen und unsere Welt von diesem Dämonenpack befreien! Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes! Amen!“
Jeb beglückwünschte seinen Freund zu der gelungenen Predigt. Es würde nur eine Frage der Zeit sein, bis die ersten Hinweise auf die Hexe bekannt würden. Dann würde er sich für den Tod seiner Frau und Tochter endlich rächen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert