Markerschütternd hohe Schreie, schnitten durch die Gänge des alten Gemäuers. Als Don Mario, ein Edelmann mittleren Alters, in sein Gemach stürzte, dauerte es einen Moment, bis er die Szenerie vor sich begriff.
„Luigi!“, rief er.
Doch sein Hausdiener quietschte weiter, als würde man ihn am Spieß braten.
„LUIGIII!“, brüllte er nochmal lauter.
Erfolglos. Don Mario musste sich die Ohren zuhalten, die immer mehr schmerzten, je weiter er sich dem Diener näherte. Er stieß leicht mit seinem Fuß gegen Luigi, um auf sich aufmerksam zu machen. Dieser jedoch schrie sich weiter die Seele aus dem Leib.
„Verflucht noch mal, Luigi! Halt die Klappe! Wenn du so schreist, wünsche ich mir fast, die Pest hätte einen von uns beiden doch dahingerafft.“
Er holte mit dem Fuß aus und trat seinen Lakaien mit aller Kraft gegen sein Gesäß.
Als Luigi nun doch leicht ins Wanken kam, lenkte er seine Aufmerksamkeit auf seinen Herrn.
„Signore! Signore! Seht nur was passiert ist.“
Dabei hielt er seinem Don seine blutigen Hände vor die Nase. Als sich Mario der roten Flüssigkeit gewahr wurde, stieß er einen spitzen Schrei aus, den er alsgleich in ein tiefes Räuspern wandelte.
„Was ist passiert? Ist es die Signora?“, fragte Don Mario nun etwas ruhiger.
„Seht selbst, mio padrone!“
Luigi gab den Blick auf das blutige Etwas frei, über das er sich eben noch gebeugt hatte.
„Lucia! NEIN!“
Der Damm brach und ein Fluss von Tränen ergoss sich über Don Marios Gesicht.
„Welches Schwein, hat das meinem süßen Engel angetan!“
Er fiel vor dem roten Klumpen auf die Knie.
Luigi umarmte seinen Herrn von der Seite und hielt sich an ihm fest, während er in sein Schluchzen miteinstimmte.
Als die Tränen des Don langsam versiegten, nahm er das blutige Gebilde in seine beiden Hände.
Im entgegen blickte ein abgetrennter Kopf. Das Rosa war aus den Bäckchen gewichen. Die Augen waren leer. Der Rüssel kalt.
„Ach Lucia! Mein kleines Mädchen! Sei dir gewiss, ich werde denjenigen finden, der dein Leben so früh beendet hat. Ich werde ihn finden und seine Leiche deinen Kindern in dem Trog servieren, aus dem ich dich jeden Tag selbst gefüttert habe.“
Entschlossen streckte Mario seine Hand gen Himmel.
„Luigi, erzähl mir alles. Hast du jemanden gesehen, bevor du in den Raum gekommen bist?“
„Es war niemand in der Nähe eures Gemaches, Don Mario.“
„Warum warst du überhaupt im Zimmer?“
„Aber Signore, ich bereite doch jeden Tag um diese Zeit euer Bad vor.“
Ein lauter Knall ließ beide erschrocken zusammenfahren. Eine junge Frau hatte die Türe gegen die Wand gestoßen und sich so Zugang zum Zimmer verschafft. In der Hand hielt sie ein Schwert.
„Wo ist die Frau in Nöten?“, schrie sie.
„Welche Frau, liebste Gemahlin? Hier sind nur mein Diener und ich.“
„Hier hat doch eben noch eine Frau geschrien.“
Verwirrung war ihr deutlich ins Gesicht geschrieben. Langsam senkte sie das Schwert, während sie immer noch suchend ihren Blick über das Zimmer schweifen ließ. Schließlich fielen ihre Augen auf ihren Mann und seinen Diener, die noch vor dem blutigen Schweinskopf knieten. Der Don streckte einen Arm empor und Luigi hielt seinen Herrn noch immer in einer Umarmung.
„Möchte ich wissen, was ihr zwei hier treibt?“, fragte sie belustigt.
Nun wurde auch den Männern klar, wie das auf die Donna wirken musste, und sie fuhren flugs auseinander.
„Es ist Lucia! Sie wurde grausam ermordet!“
Das seine Frau sein Entsetzen nicht zu teilen schien, ärgerte Don Mario. Sie sah ihn nur fragend an, als würde sie seine Aufregung nicht verstehen.
„Weib, richte deine Gewänder. Es geziemt sich nicht für eine Edle, sich so zu präsentieren.“
Die Donna sah an sich hinunter und ein Grinsen huschte über ihr Gesicht. Ihre Kleidung war nicht wirklich unordentlich, lediglich der Ausschnitt war ein wenig schief. Sie zupfte ihn zurecht, was jedoch nichts an der Tatsache änderte, dass ihre üppigen Brüste, wie immer, aus dem Kleid auszubrechen drohten.
„Ich musste mich doch beeilen.“
„Dafür hast du aber ganz schön lange auf dich warten lassen.“
„Ich war bei der Köchin, als ich den Schrei vernahm. Die Küche ist am anderen Ende unseres kleinen Castellettos.“
„Innocentia, sprich nicht so über unser Heim. Es mag vielleicht nicht prunkvoll oder riesig sein, aber es ist immer noch ein Schloss. Du stellst es stets dar, als wäre es eine winzige Hütte. Wenn unser Heim so klein ist, verstehe ich nicht, warum du von der Küche 15 lange Minuten benötigst, um zum Gemach zu eilen.“
„Schon gut, schon gut. Das Castello ist riesig. Ich habe noch nie so ein großes Schloss gesehen, wie deines. Zufrieden?“
Sie verdrehte die Augen.
„Ich wäre eher da gewesen, doch die Köchin hat mir ihre Köstlichkeiten kredenzt. Eine wahre Liebkosung meiner Zunge. Da konnte ich nicht nein sagen.“
Sie leckte über ihre Lippen bei der Erinnerung an den Geschmack.
„Köchin! Küche! Luigi, bleib, bis ich wieder hier bin!“
Don Mario drückte seinem Diener den Schweinskopf in die Hand, sprang auf die Füße und rannte beinahe seine Frau über den Haufen, als er aus dem Raum stürmte.
Kaum fünf Minuten später kam er in die Küche geflitzt.
„Benedetta, was hast du mit Lucia gemacht?“
Die kleine, leicht rundliche Frau, sah vom Kochtopf auf und drehte sich zum Don um.
„Signore, ich verstehe nicht, was ihr meint. Wer ist Lucia?“
„Lucia, mein Augenstern. Mein kleines Mädchen, das ich selbst aufgezogen habe?“
„Ach, Signore meint die Sau.“
Blankes Entsetzen stand Don Mario ins Gesicht geschrieben.
„Signore, ich habe mit der Sau nichts gemacht. Wollt ihr vielleicht, dass ich sie brate? Oder lieber in Aspik zubereite? Ich habe erst frische Champignons gekauft und Karotten hätte ich auch. Frische Erbsen haben wir im Garten. Ich mache gerade eine Gemüsebrühe, das würde sich gut treffen. Soll ich gleich dem Hausknecht Bescheid geben?“
Wutentbrannt brüllte er die Köchin an.
„Wehe, du rührst Lucia an. Niemand wird ihr auch nur ein Haar krümmen!“
Könnten Blicke töten, wäre die Bedienstete in diesem Moment ein Fall für den Totengräber geworden.
Doch dann traf ihn die Ernüchterung.
„Es ist zu spät!“, schrie er, als er aus der Küche rannte und eine verdutzte Benedetta zurückließ.
Fast automatisch rannte er den Gang entlang, durch die Türe nach draußen, über den Hof zu den Ställen. Beim Schweinestall blieb er endlich stehen. Es gab einen großen Bereich, in dem sich die meisten Tiere befanden. Getrennt davon gab es eine kleine Umzäunung mit Zugang zum Außenbereich, in welcher zehn kleine Ferkel waren. Alle rosa, mit schwarzen Flecken.
Ohne zu zögern, sprang Don Mario über die Absperrung.
„I miei piccoli bambini! Was soll denn nun aus euch werden. Ihr seid jetzt Waisenkinder!“
Unbeeindruckt schoben die Jungtiere weiter ihren Rüssel durch den Schlamm.
Als Don Mario eines der Ferkel packte, hochhob und an seine Brust presste, quiekte es lauthals, um seinem Unmut kundzutun.
„Ich weiß, mein Kleiner! Ich weiß! Du trauerst! Aber keine Sorge, ich werde mich um euch kümmern. Der Mord an eurer Mutter wird nicht ungesühnt bleiben!“
Er drückte das Jungtier ein letztes Mal, bevor er es vorsichtig auf den Boden stellte und begann den Stall und die Umgebung abzusuchen.
Schließlich fand er matschige Fußabdrücke, die nur von einem Schwein stammen konnten. Er folgte den Spuren einige Meter. Der Schlamm war bis dorthin abgetragen und er musste genau schauen, bevor er die Spuren im Erdreich wieder fand. Konzentriert folgte er ihnen. Der Weg führte weiter in einen etwas abgelegenen Hof, der meist zum Schlachten verwendet wurde. Zwar wurde nach jeder Schlachtung sauber gemacht, doch das Blut brachte man nie ganz weg und so lag hier immer ein Hauch von Süße in der Luft.
Auf der Suche nach frischen Spuren am Boden, nahm der Don plötzlich ein leichtes Winseln wahr, welches von einem dumpfen, rhythmischen Klopfen begleitet wurde. Er folgte dem Geräusch. Er konnte nicht zulassen, dass vielleicht noch ein weiteres Schwein, um sein Leben fürchten musste.
Langsam pirschte er sich an die Gebäude heran. Über ein geöffnetes Fenster blickte er nach innen, konnte aber nichts erkennen. Das Klopfen hatte aufgehört, doch das Winseln wurde intensiver.
Vorsichtig öffnete er die nächste Tür.
„Oh mio dio!“, hörte er eine Frau rufen.
Er stürmte in den Raum und fand eine seiner Mägde, wie sie vornübergebeugt im Raum stand und mit ihren Fingern gerade so den Boden berührte. Hinter ihr ein Knecht, der sie an der Hüfte hielt.
„Hast du eben geschrien?“, herrschte er die Frau an.
„Signore, die Magd drohte nach vorne zu kippen, als sie etwas vom Boden aufheben wollte. Ich konnte sie gerade noch bei der Hüfte packen, damit sie nicht der Länge nach auf den Boden fällt.“
Don Mario strahlte vor Freude.
„So lobe ich mir das. Alle sollen zusammenhalten und sich gegenseitig helfen. Weitermachen!“
Als er sich umdrehte, sah er noch, wie die Hände des Knechts weiter nach vorne wanderten und die Magd bei der Brust stützte, um ihr nach oben zu helfen. Am Weg nach draußen, kam ihm ein Bursche entgegen, kaum 16 Jahre alt.
„Mein Junge, du kannst dem Knecht hier drinnen bestimmt bei der Arbeit helfen. Dass du mir gut zusiehst und lernst, damit auch du ein braver Mann wirst, der seinen Mitmenschen hilft.“
„Signore, das hatte ich vor. Ich war vor einer Stunde schon hier und habe geholfen, musste mich aber ein wenig stärken. Nun kann ich wieder die Arbeit vom Knecht übernehmen.“
Fröhlich lachend ging der Junge weiter und verschwand hinter der Tür. Kurz danach setzte das dumpfe, rhythmische Klopfen wieder ein. Nun schneller als zuvor.
„Die Jugend hat noch mehr Energie. Dem Knaben geht die Arbeit noch schnell von der Hand“, sagte der Don zu sich selbst.
Er lächelte breit, als er im Schlachthof nach frischen Spuren suchte. Erfolglos! Das Einzige, was auf den Mord überhaupt hindeutete, war Lucias Kopf. Vom restlichen Körper war weit und breit nichts zu sehen. Nicht einmal frisches Blut konnte er finden.
Er lief in sein Gemach zurück.
Luigi schien sich keinen Zentimeter bewegt zu haben. Er kniete noch immer an der Stelle und hielt Lucias Schädel in der Hand.
„Hast du den Kopf untersucht?“
„No, Signore. Ich habe darauf aufgepasst, damit alles so bleibt, wie ihr es zurückgelassen habt.“
„Gut! Also nicht gut, aber gut.“
„Wobei, wenn alles so sein sollte wie zuvor, dann muss ich euch darauf aufmerksam machen, dass euer Eheweib einen Brief mitgenommen hat, der auf dem Bett lag.“
„Einen Brief? Was stand darin?“
„Verzeiht Don Mario, aber das weiß ich nicht. Sie hat ihn geöffnet, gelacht und hat den Raum verlassen.“
„Hat sie denn nicht gesagt, wo sie hingeht?“
„No Signore.“
Erneut stürmte Mario aus der Kammer. Er erinnerte sich, dass seine Ehefrau von den Köstlichkeiten in der Küche geschwärmt hatte und hoffte sie dort vorzufinden.
Je näher er der Küche kam, desto mehr vernahm er Laute, die an erfreutes Quieken erinnerten.
“Sì, sì, sì, dai, Porcaaaaa!“, hörte er die Köchin freudig schreien.
Konnte es sein? War seine Lucia vielleicht gar nicht tot und hatte sich nun in die Küche verlaufen?
Nein. Nein! Er durfte seine Hoffnung nicht hochhalten. Er hatte ihren Kopf in seinen Händen. Unverkennbar war das sein kleiner Engel gewesen. Er würde sie aus tausenden ihrer Art wieder erkennen. Aber er war gespannt, welches Schwein die Köchin so erfreute und hastete die letzten Meter der Küche entgegen.
Die Türe war sperrangelweit offen. Er war bereits im Raum, als er das Spektakel wahrnahm, welches sich ihm dort bot. Die Köchin stand vor einem Tisch. Die Brüste entblößt, das Kleid wie zu einem Gürtel zusammengeschoben. Seine Frau stand zwischen ihren Beinen. Sie küsste Benedettas Hals und raunte ein leises „Nochmal?“ ins Ohr.
„Sì, mia amata. Sì!“
Die Donna stützte den Körper der wohlgenährten Frau und half ihr, sich mit dem Rücken auf den Tisch zu legen. Sie küsste sich über den Hals langsam zum Dekolleté. Eine Hand legte sie auf die Brust Benedettas, während sie die andere zwischen den Schenkeln positionierte.
Gerade, als Don Mario den Schockzustand abschütteln konnte und überlegte, ob er einschreiten oder gehen sollte, richtete Innocentia das Wort an ihn.
„Mario, fast hätte ich dich übersehen.“
Die Köchin wollte erschrocken hochfahren, doch Innocentia hielt sie mit ihrer Hand unten.
„Was soll das Weib? Was tust du?“
„Kommst du wegen des Briefes?“
„Warum hast du ihn mitgenommen? Wo ist er? Hast du ihn gelesen?“
„Oh ja, das habe ich. Hier ist er.“
Sie zog einen weißen Umschlag aus ihrem Dekolleté und hielt ihn hoch.
„Was steht darin?“
„Zunächst einmal, wer für das tragische Ableben deines Schweins verantwortlich ist.“
„Was? Wer war es!“
Energisch ging er auf seine Frau zu, um den Brief an sich zu nehmen.
„Nicht so schnell mein Lieber. Da gibt es noch eine Kleinigkeit, die wir besprechen müssen.“
„Muss das jetzt sein? Das kann doch bestimmt warten.“
Ungeduldig fuhr er durch sein schütteres Haar. Danach glitt sein Blick zu Benedetta. Es war schwer zu übersehen, dass seine Frau zwei Finger in der Köchin Auster hatte und ihren Daumen an der Perle. Sie machte keine Anstalten die Bewegung einzustellen und fingerte Benedetta unverhohlen weiter. Diese wand sich immer mehr unter den sanften Stößen und kreisenden Bewegungen.
Don Mario schüttelte sich und blickte dann wieder zu seiner Frau.
„Mario, ich habe einen Vorschlag für dich. Du bist nicht an mir interessiert und ich nicht an dir.“
„Was! Das stimmt nicht! Ich bin …“, weiter kam er nicht.
„…an Luigi und anderen Männern interessiert“, beendete sie seinen Satz.
Ihm blieb die Luft weg.
„Mario, das ist in Ordnung. Wir wurden verheiratet, weil unsere Familien Einfluss und Geld vermehren wollten. Ich bin noch keine Zwanzig und du dreißig Jahre älter. Uns hat man, wie es halt so ist, nie gefragt. Wenn wir zusammen im Bett sind, läuft nichts. Und wenn doch einmal etwas passiert, dann stocherst du lustlos herum und Ich muss darauf achten, dass ich nicht einschlafe.“
Schnappatmung setzte beim Don ein. Sein ganzer Körper zitterte.
Seine Frau fuhr unbeirrt weiter.
„Mein Vorschlag ist, du teilst das Bett mit wem du möchtest, und ich tue dasselbe. Wenn du willst, können wir gemeinsam für einen Erben sorgen. Wenn es dir egal ist, dann werde ich mich gerne allein darum kümmern. Und bevor du jetzt nein sagst, lies den Brief. Nimm dir Zeit darüber nachzudenken. Nur so viel möchte ich sagen, ich habe dich bei dem im Brief erwähnten Ereignis ebenfalls gesehen. Und wenn du willst, dass die Person garantiert schweigt, solltest du mich lieber als Verbündete haben wollen.“
Mario öffnete den Brief und verschlang regelrecht den Inhalt.
„Niccolò? Der Gärtner war es?“, rief er laut.
„Wenn ich den in die Finger bekomme. Kein Wort ist wahr. Ich habe doch nie mit Luigi … Ich bin gestolpert und er hat mich aufgefangen.“
„Ja, klar. Er hat dich gefangen. Mit seinem Mund. Schwanz voran. Ich war dort, vergiss das nicht. Oder seid ihr danach beide nochmal gestolpert und ganz unglücklich gelandet, so dass du seinen Arsch aufgespießt hast?“
„Innocentia, sprich nicht so vulgär.“
„Mario, stell dich nicht so an. Mein Gott, wir haben 1352. Wir leben doch nicht mehr zu Caesars Zeiten. Du kennst meinen Vorschlag. Nimm ihn an und ich werde dir helfen und du kannst mit Luigi, oder sonst wem, treiben, was du willst. So wie ich auch. Lass es und ich mache dir das Leben zur Hölle.“
„Dio mio!“, schrie Benedetta.
„Das ist mein Stichwort. Bleib und sieh zu, oder geh. Letzteres werde ich als Einwilligung in meinen Vorschlag sehen.“
Innocentia winkte ihrem Mann nochmal zu, bevor sie die Hand auf den Busen der Köchin legte und zu kneten begann. Den Mund positionierte sie an der Pforte, die sie immer noch penetrierte. Sie nahm einen dritten Finger dazu und stieß wiederholt, nun schneller, in Benedetta. Statt mit dem Daumen, massierte sie die Knospe nun mit ihrer Zunge. Die Augen schloss sie genüsslich.
Don Mario hatte seine Entscheidung gefällt. Als die Zungenschläge seiner Frau schneller wurden und der Körper Benedettas anfing zu zucken, verließ er den Raum. Den erstickten Schrei der Köchin, nahm er durch die Tür kaum noch wahr.
Er fühlte sich frei. Endlich musste er keine Zeit mehr für seine Frau aufwenden. Fast fröhlich ging er nun zu Niccolò, der seine Lucia auf dem Gewissen hatte. Als Warnung, wie er geschrieben hatte. Wenn er nicht regelmäßig eine bestimmte Summe an ihn zahlen würde, dann würde er der Kirche verraten, was er mit Luigi getan hatte. Dabei war alles so unschuldig gewesen. Zunächst. Und um sicherzugehen, dass Mario über die Erpressung schwieg, wurden noch die Leben von Lucias Kindern bedroht. Der Don wusste noch nicht genau, was er sagen oder tun würde, aber er wusste, dass der Gärtner seiner letzten Stunde entgegensah.
Es waren einige Tage ins Land gezogen. Der Gärtner Niccolò hatte am Strick seinen letzten Atemzug ausgehaucht. Innocentia tat, was ihr gefiel, und Mario hatte beschlossen, dass er die Ferkel in Sicherheit bringen musste, falls etwas Ähnliches nochmal passieren sollte.
Bei Nacht und Nebel hat er sie alle auf einen Pferdekarren getrieben. Er war etwa zwei Stunden unterwegs gewesen, als er eine Lichtung im Wald erreichte.
Ein großes, metallenes Objekt stand in der Mitte. Als er sich näherte, stieß es Dampf aus. Eine Luke öffnete sich und eine Laderampe wurde herabgesenkt. Heraus kam ein Wesen, das Ähnlichkeit mit einem Schwein hatte. Allein, dass es auf zwei Beinen ging und silbrig glänzend gekleidet war, machte einen Unterschied. Wenn man jedoch genauer hinsah, konnte man fast menschliche Gesichtszüge erkennen. Die Ohren und der Rüssel jedoch, glichen dem irdischen Tier.
Don Mario wandte sich an den Fremdartigen.
„Mein Freund, bring unsere zehn Kleinen in Sicherheit. Diesmal ist es glimpflich ausgegangen und der Attentäter wurde unschädlich gemacht. Aber wer weiß, was das nächste Mal passiert. Die Thronfolger sind zu wichtig für unseren Planeten.“
Mit einem Nicken entließ er die zehn kleinen Ferkel. Diese sprangen quietschfidel vom Pferdewagen und gingen auf zwei Beinen die Laderampe empor. Eines drehte sich um, lief nochmal zu Mario und umarmte ihn.
„Bis bald Großvater!“, waren seine letzten Worte, bevor es in das metallene Objekt stieg, welches alsbald die Tür schloss, abhob und verschwand.
„Bis bald meine Kleinen!“, sagte er traurig. Noch Minuten später stand er da und sah dem Flugobjekt nach, obwohl es schon lange aus seiner Sicht verschwunden war.