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Season 1

Bericht von der Front

Lesedauer 12 Minuten

Verehrter Hankan, der Zaubernde,

 

Nachfolgend der geforderte Auszug aus einem Bericht des vrakanischen Archiv bezüglich des Krieges der Vrak gegen die Jch’akastier, welcher zwischen dem 25. Mond, Kalpa Pimo und dem 36. Mond, Kalpa Omno geschlagen wurde. Der Krieg endete mit dem Tod jeglicher Truppen, die von beiden Kriegsparteien ausgesendet wurden, und ist bis heute ungeklärt, wie sie natürlich wissen:

–ANFANG DES BERICHTS–

15. Bericht, verfasst von Rawa Spitz; Oberbefehlshaberin der 1. Division von vrakschen Truppen:

 

35ster Mond, Kalpa Omno

An den königlichen Rat von der Schwarzenburg

Möge das tote Herz weiter bluten und die Schwerter bei Nacht summen

 

Nachfolgend der Kurzbericht für die letzten fünf Monde, gelebt an der Front zwischen Düsterwurz und Waldesgrund.

Letztes Schwertersummen am 32ten Mond. Haben 6 Torg gut gemacht. Gräber wurden mittlerweile ausgehoben und befestigt. Truppenmoral nach der letzten Niederlage erheblich gestiegen. Nehme an, das liegt an dem ausführlichen Mahl und dem bevorstehenden Blutmond.

Truppen der jch‘akastischen Wälder kämpften weniger koordiniert. Großer Verlust auf ihrer Seite ist durch eigene Hand geschehen. Wir glauben an geistiger Schwächung aufgrund der stressigen Kampfsituation. Ihr Blut ist leider wenig nahrhaft und schmeckt seltsam sauer, zumindest erscheint es uns so. Ernähren uns also weiter von Wild. Jagdtruppe tut Gutes. Habe mich entschieden, 20 Jagdtruppen aufzulösen und dem Schützenbataillon zu ergeben. Pfeile bleiben zwar weitestgehend unnütz gegen ihre gepanzerten Schwerter, nützen jedoch etwas gegen ihre wenigen Berittenen. ________________________________

Weiterhin weniger Gefangene. Feindliche Selbstmörder noch immer ansteigend. Die wenigen Gefangenen empfangen zwar den Kuss, doch __________________________ Truppenstärke ist noch immer sinkend. Erbitte also noch immer Hilfe. ____________________________ Genaue Auflistung, welche Truppen angefordert werden, liegt dem Bericht am Ende bei.

Außerdem wurde ein Brief eines jch’akastischen Söldners aufgefunden. Der vermutliche Verfasser hing an einem Baum, circa 100 Yark in dem Wald abseits der eigentlichen Truppen-Quartiere. Besondere Erwähnung findet er hier wegen des bizarren Inhalts. Übersetzt wurde er von Tiwurg Leser, ich selbst habe die Übersetzung gelesen und stellenweise kommentiert. Leser hat manche unübersetzbare Wörter in Originalsprache belassen und Übersetzungsmöglichkeiten angeboten. Der Rat soll sich den Brief näher ansehen.

Zuletzt eine ______ Nachricht: Letzter Nachschub erfolgreich angekommen. Guter Stahl, die Soldaten freuen sich.

 

Von

Oberbefehlshaberin Rawa Spitz

 

Anlage 1 (Auflistung der angeforderten Truppen)

 

20.000 Schwerter, leicht

10.000 Schwerter, schwer

2.500 Reiter samt Reittier, Bewaffnung: Schwert

2.500 Reiter, Bewaffnung: Armbrust

1.000 Äxte

200 Langbögen

50 Last- und Nutztiere

 

Anlage 2 (Auflistung der angeforderten Materialien, Werkzeuge und Waffen)

 

100 Hiva Stahl

100 Hiva Holz

100 Bögen

80 Schwerter

______________________

60 Hiva Konserviertes

50 Seile

30 Hiva Tuch

__________________________

30 Gläser

 

Anlage 3 (Gefundener Brief nebst Anmerkungen von Oberbefehlshaberin Rawa Spitz: Von Zurk’gal Lak; An F’rakla Lak [Übersetzung angefertigt von Tiwurg Leser])

 

An F’rakla Lak

Für mein Herz, aus „G’ra‘hak“ (Angemerkte Übersetzung: Tod; Untergang; Niedergang)

Nichts ist hier noch richtig.

Verfasst am 32. Mond, unter einem Baum tief im Walde.

 

Dies wird mein letzter Brief an dich sein, meine Liebste. Ich weiß, in diesen Zeiten kann ein jeder Brief der letzte sein. Doch dieses Mal kannst du den Worten dieses Briefes absolutem Glauben schenken. Liebe F’rakla, ich war noch nie ein guter „B’loda“ (Angemerkte Übersetzung: Ehemann; Ehefrau; Partner) für dich, ganz besonders seitdem ich an die Front gerufen wurde. Ich bin kein guter Kämpfer, wie du weißt. Ich würde am liebsten den ganzen Tag unter dem Baum verweilen und dir Briefe schreiben. Dieser Krieg frisst mich auf. Und heute beende ich dies alles. Du kannst dir einen neuen Jch‘akastier suchen, einen, der dir dein Leben verschönert und der bei dir sein kann.

Nein, ich beende dies alles nicht nur wegen des Krieges, auch, wenn die Vraks immer näher an unser Lager heranrücken und es wohl noch heute zu einer Auseinandersetzung kommen mag. Es scheint sich etwas in uns geschlichen zu haben, etwas, dass wir noch nicht verstehen. Deshalb ist dieser letzte Brief auch nicht dafür gedacht, nur meine Liebe zu dir einzugestehen.

Nein, ich möchte euch alle warnen.

Was ich hier schreibe muss in die Hände meines B’loda fallen, aber noch wichtiger muss ein wissenschaftskundiger Jch’akastier davon erfahren. Dies ist ein Brief, aber noch viel wichtiger: dies ist ein Bericht und eine Erfahrung. Redet darüber, und setzt etwas ein, um das zu stoppen, wovon ich gleich schreiben werde.

Deswegen, bist du gefragt. Du, lesende Person, schick diesen Brief bitte an den Bestimmungsort. Selbst wenn du kein Jch’akastier bist, dann schicke ihn dennoch in meine schöne Heimat. Die Zukunft von ganz Welerchor liegt in euren Händen.

 

| Anmerkung von Rawa Spitz: Auch wenn ich mir sicher bin, dass wir diesen Brief nicht in des Feindes Hände gelangen lassen dürfen, so bin ich doch von Verzweiflung dieses Briefs ergriffen. Kein Wunder, schließlich könnte der nachfolgende Bericht kriegswendende Folgen haben. Trotzdem meine Empfehlung: Lasset den Brief in den heimischen Taschen.

 

So komm ich nun also zu dem Bericht. Wie immer soll auch dieser Bericht den Anfang und auch das Ende ganz genau wiedergeben, damit er ein bestmögliches Bild von der Situation abgibt. Ich beginne meinen Bericht zum Zeitpunkt des 30. Mondes.

Unsere Nahrung war schon immer knapp, seit die Vraks im Zuge des Krieges unsere Nahrungslieferanten ausschalteten. Der Hunger ist zwar kein neuer Begleiter, aber dennoch ein sehr lästiger. Unsere Jäger und Sammler achten zwar darauf, die Früchte des Waldes nicht zu sehr auszubeuten, dennoch lässt es sich schwer mit der wenigen Beute auskommen. Die Vrak-Jäger sammeln ebenso in den Wäldern und es wird immer schwieriger, etwas zu Essen zu finden ohne den Pfeilen der Jägertrupps zum Opfer zu fallen. Ich selber wurde an dem Morgen des 30. Mondes als Jäger eingeteilt; ein „K’laqqrag“ (Angemerkte Übersetzung: Schicksal; Glück; Pech; Lebenslauf), das nicht vielen Jch’akastier-Söldern gefällt. Und natürlich: heutzutage ist die Nahrungsbeschaffung keine schöne Aufgabe, jedoch bin ich einer der Wenigen, die diese Aufgabe noch recht gerne tun. Durch den Wald hetzen, Beeren zerkauen und sehen, ob die Zunge pelzig wird, Waldluft atmen… das ist mein Gebiet. Und bisher war es mit immer möglich, dem Tode zu entgehen.

Auch an diesem 30. Mond werde ich lebend zurückkommen… und damit den Fluch über unsere Zunft bringen. Nicht nur ich wurde dazu eingeteilt, Nahrung zu besorgen. Auch mein guter „Rew“ (Angemerkte Übersetzung: Freund; Freundin; Kamerad; Genosse; Genossin) Qua’mp wurde dazu bestimmt.

Wir sind noch früh am Morgen aufgebrochen, als das Feuer noch nicht brannte. Langsam erwachte der Wald zu diesem Zeitpunkt, Feuer brach langsam durch das Laub und erhellte den Boden. Die Wahrscheinlichkeit, Vraks zu begegnen, sank mit der Zeit und wir bewegten und schnell durch das Dickicht. Schnell fanden wir ein wenig Essen, versteckt unter dem Laub. Es schmeckte weder gut, noch schlecht, aber es reichte uns als ein morgendliches Magenfüllen. Ich erinnere mich an Qua’mps letzten Witz: „So schmeckt doch kein Zaeakra. Aber immer noch besser als ein Warglan!“ Wenn ich heute daran zurückdenke, dann war der Witz auch gar nicht so lustig, vor allem, weil ich selber nicht weiß, was ein Zaeakra ist. Aber ich lachte trotzdem, um meinen Rew nicht zu kränken.

 

| Anmerkung von Rawa Spitz: Offensichtlich scheint dieser Soldat nicht sonderlich gebildet in der Jagdkunst zu sein. Nach meinem Erkenntnisstand ist das Jagen eines Zaeakras Bestandteil der Grundausbildung eines jeden Jch’akastier-Jägers. Um mir diesen Scherz zu erlauben: kein Wunder, dass die gegnerischen Truppen so wenig Nahrung zur Verfügung hatten, wenn sie doch ihre unerfahrensten Jäger losschicken.

Zu der Person des Qua’mps: wir fanden an einem anderen Ort den toten Körper eines Jch’akastiers, bei dem wir annehmen, dass es sich um Qua’mps handelt. Die dritte Lunge dieser Person wurde zertrümmert, und der Körper wurde bereits von der wäldischen Flora wiederverwertet. Im Verlaufe dieses Berichts wird klar werden, warum wir denken, dass es sich um Qua’mp handeln muss. Entschuldigt diesen Vorgriff.

 

Um nicht zu sehr auszuschweifen, konzentriere ich mich lieber auf die wichtigen Vorkommnisse. Mein Rew und Ich hatten wenig K’laqqrag mit der Suche. Wir haben mehrmals wildes Getier gefunden, doch da das mittagliche Feuer bereits brannte, sahen uns diese zu früh und flohen. Dennoch schossen wir eine Runka und ein Gabbit, letzteren aßen wir jedoch schamlos selber. Am späten Mittag schossen wir noch weitere Runka, so viele, dass Qua’mp sagte, wir würden umkehren könnten. Doch ich selbstgefälliger „Trr’irrpa“ (Angemerkte Übersetzung: Schimpfwort) meinte noch, wir sollten weitergehen. Zu dieser Zeit wurde es bereits wieder dunkel, als würden bald die Vrak-Jäger selber jagen gehen. In jeglichem Fall war meine Entscheidung dumm. Zu meiner schlechten Entschuldigung: nachdem wir den letzten Runka geschossen haben, sahen wir eine Lichtung zwischen den Bäumen voll mit Gras, zwischen denen ich meiner Meinung nach etwas Rieser gefunden habe. „Ohhh köstlicher Rieser“, sagte ich noch zu meinem Rew. Qua’mp wusste wohl, dass dies eine schlechte Entscheidung sein würde, doch wie meine F’rakla wird bestätigen können: man kann mir schlecht wiedersprechen. Wir gingen also auf diese Lichtung und suchten nach Rieser, als plötzlich etwas über unsere gehörten Schädel flog. Es war ein Licht, oder ein Paraat (Angemerkte Übersetzung: Glühendes Gestein; bearbeitetes Metall; ein Kubus), auf jeden Fall hatten wir so etwas noch nie gesehen. Qua’mp hielt sich an mich, als ich gehen wollte, um diesem Ding zu folgen. Wieder so ein Moment, auf den ich hätte hören sollen. Verflucht no___al, warum ha___n ic____________________________________________;

 

| ____________________ Rawa Spitz: Leser meint, hier wäre der Bericht abgerissen und unleserlich, jedoch haben wir den Brief genauso gefunden. Meine Vermutung ist ein Fall von Krämpfen, die dafür sorgten, dass erst Wörter und kurz darauf der ganze Paragraph gestrichen wurden. Zum Verständnis: es fehlen circa 500 Wörter. Zum Glück wurden nur Stellen gestrichen, die _______________________________________ daraus wird auch klar was_______________ tötete _______________ aber ich u____ und außerdem ist an dieser Stelle Qua’mp bereits ____ tot. Nachfolgend setzen wir wieder dort ein, wo Zurk’gal auf das glühende Ding trifft.

 

_____ und mein Herz blutet noch immer, bei dem Gedanken an meinen Rew. Was für eine Tragik. Sie überwältigte mich bei dem ganzen Marsch und ich dachte schon so oft daran wieder umzukehren. Doch ich konnte nicht. Damals dachte ich noch, ein solches Unglück darf mich nicht davon abhalten, das Licht zu untersuchen. Ich hatte jegliche Nahrung verloren, so konnte ich nicht zurück.

Es muss schon der 31. Mond gewesen sein, als ich endlich das Licht erreichte, was ich schon die ganze Zeit im Blick hatte. Das Licht strahlte um einen großen Stein ab, welcher zwischen den Bäumen eingeschlagen ist. Es war ganz warm um den Stein herum, so dass ich mich in dieser kalten Nacht besonders nah an den Stein stellte. Der Stein fühlte sich ein wenig schwammig an, meine Hand versank leicht darin.

Doch das Beste daran war der Geruch, der von dem Stein ausging. Es war ein Geruch nach all dem, was ich schon so lange nicht mehr essen konnte. Mein Gesicht näherte sich dem Stein, nicht nur wegen der Wärme, nicht nur wegen dem Geruch, sondern vor allem wegen dem Hunger, der sich plötzlich bemerkbar machte.

Ich biss in den Stein hinein. Ich kaute die schwammigen Bröckchen. Es schmeckte nicht sonderlich gut, aber der Geruch stieg aus dem Mund in die Nase. Ich biss noch einmal ab. Und noch einmal. Der Stein wuchs einfach wieder nach.

Dann schlief ich ein.

Am 31. Mond wachte ich neben dem Stein auf. Ich war das erste Mal seit Beginn dieses Krieges satt. Ich fühlte mich so stark, ich fühlte mich, als könnte ich sogar diesen Krieg beenden. Und all dies, wegen diesem Stein! Bitte nimmt es mir nicht übel, dass ich diesen Stein einfach mitnahm.

Der Wald, den ich den Tag davor noch als so undurchdringlich empfunden habe, schien mir jetzt so klar zu sein. Was sind schon ein paar gebrochene Bäume, wenn ich dafür mein Ziel erreiche? Geschultert war der Stein, er war plötzlich so leicht! Mein Weg ________

 

| Rawa  _____: uninteressant; gestrichen_______ geht mir nicht gut. Irgendwas war in dem Blut.

 

_______ diejenigen, die  nichts von dem Stein essen wollten wurden hingerichtet. Ich erinnere mich, wie wir alle dem sauren Blut huldigten, es schmeckte scheußlich, aber das war uns egal. Die Schwerter wurden bis vorhin noch gegen uns erhoben. Tik’wa, welcher als erstes erzählte, dass man doch auch das Fleisch seiner Rew essen könne, wurde ebenfalls geköpft und gegessen. Ja, auch ich aß von dem Flesch meiner Rew aber immerhin habe ich meine letzte „Hi’ppu“ (Anmerkung Übersetzung: Würde, Ehre) behalten. Ich werde keinen Rew töten. Zu diesem Zweck habe ich hier mein Werkzeug, um zu verhindern, dass ich_________

 

| Leser ist tot. Sein Auge liegt auf meiner Zunge.

 

__________________ ich vermisse dich so. Gebe diesen Brief bitte weiter, und trauere nicht um mich. Es muss etwas mit diesem Stein und diesem Blut zu tun haben. Ich bitte dich, behalte mich als den in Erinnerung, der ich bin, nicht als das Z’irpan (______ Übersetzung: ______ Biest; ________), zu dem ich langsam werde.

 

| Es ist im Blut.

____________________________nichts_______________________

 –ENDE DES BERICHTS–

Der Rest des Berichts von Oberbefehlshaberin Rawa Spitz wurde leider verbrannt, als unsere Soldaten unser Lager zurückgewannen. Nach den neusten Forschungsergebnissen scheint der Stein, der immer wieder nachwuchs, eine Art Lebewesen inne gehabt zu haben, welches sich im Blut der Opfer vermehrte und zu einem blinden Kampfrausch führte. Unsere gemeinsamen Anstrengungen führten zur Isolation aller infizierten Vrak. Nächster Schritt ist die Extraktion des Wesens und die Nutzbarmachung für den weiteren Kampf. Machen sie aus den Berichten was sie wollen, meine Meinung zu diesem Vorgehen kennen sie ja bereits. Nichtsdestotrotz haben sie meine vollste Unterstützung für die Erforschung dieses Wesens.

 

Wenn meine Zweifel an diesen Berichten tatsächlich unberechtigt sein, dann können wir uns im Namen des gesamten Reiches beglückwünschen. Kein Krieg mehr würde ungeschlagen bleiben.

 

Grüße,

Janus, Abteilung des forschenden Zirkels

Eine Antwort auf „Bericht von der Front“

Sehr düster, sehr verwirrend. Ich bin leider in der Kürze des Lesens nicht wirklich reingekommen. Allerdings liebe ich andere Sprachen und finde es absolut großartig das du dir die Namen und stellenweise Ausdrücke ausgedacht hast. Mich hat die Auflistung am Anfang etwas verwirrt, da sie keinen Einfluss auf die Geschichte hat und auch von dieser nicht nochmal aufgegriffen wird. Mir gefällt, dass Teile des Textes unleserlich sind und man nicht genau weiß was da passiert ist.

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