Kategorien
Der Literatur-Strich

Rose, fern am Gartenrand

Lesedauer 2 Minuten

Hab lange Zeit dich strikt verbannt
an meines Gartens fernen Rand.
Pflanzte Hecken um dein Sein,
schuf eine Mauer drum, aus festem Stein.

Nur selten schafften’s deine Blüten noch,
dass deinen süßen Duft ich roch.
Um mein Herz mir zu erweichen
und deine Freiheit zu erreichen.

Warst fern meiner täglichen Welt,
nur in meiner Gedanken brachem Feld.
Das jahrelang ich kaum besucht
hab’s als gefährlich eingestuft.

Wenn alles um mich im Chaos versank,
mein Herz sich meiner Kontrolle entwand,
tat ich, was ich stets gemacht,
hab wehmütig an dich gedacht.

Doch nicht jedes Gefängnis ist von Dauer,
nach Jahren zeigen sich Risse in der Mauer.
Nehme wahr diesen verführerischen Duft,
lässt mich erinnern an meine einst’ge Sucht.

Seh deine Knospen durch die Risse blitzen,
mein Herz, durchbohrt von deiner Dornen Spitzen.
deine Ranken halten es noch immer umschlungen,
jede Flucht war mir bisher misslungen.

Erinnere mich an das schöne Farbenspiel
und wie deine Blütenpracht mir stets gefiel.
Wie deine weichen Blätter, zart wie Samt
sich schmiegten sanft in meine Hand.

Schließ langsam meiner Augen Lider
schmeck auf meiner Zunge wieder
deines Nektars süße Quelle
entsprungen deiner weichsten Stelle.

Hör mein eignes Seufzen, mein leises Flehen,
lässt mich Vergang’nes wieder sehen.
Dornen, die meine Haut aufbrechen,
Das Fleisch zerreißen, mein Herz durchstechen.

Darf keine Schwäche mir erlauben,
nicht an ein sanftes Trugbild glauben.
Muss schützen mich zuallererst.
Pass‘ auf, dass du nicht wiederkehrst.

Drum geh ich an meines Gartens Rand,
wohin ich dich hab einst verbannt.
Schaff mehr Mauern d’rum aus festem Stein,
zum Schutz für mich, doch wie ein Schrein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert